Dienstag, 25. August 2026

Reneklodenzeit (oder "Kleine Erden aus dem Weltall!)


Staunend stehe ich vor einem etwa zwei Meter hohen, noch unscheinbaren Gebüsch direkt neben unserer riesigen Korea-Tanne (die jahrelang eine Sitka-Fichte war). Der wilde Strauch ist über und über mit kleinen grünen Pflaumen behangen. Klein und rund hängen sie zwischen den länglichen Blättern und sehen mit ihrer grünen Schale und dem mehligen, matt salbeigrünen Reif tatsächlich ein bisschen aus wie winzige Erden aus dem Weltall. Jede einzelne scheint ihre eigene kleine Landkarte zu tragen und ich muss unwillkürlich lächeln. Flink laufe ich die Hoftreppe hinauf ins Büro, wo mein Göttergatte im Homeoffice arbeitet. "Komm schnell mit!", rufe ich ihm schon aus der Küche entgegen, "Ich habe etwas ganz wunderbares entdeckt. Wir haben Renekloden im Garten!". "Wir haben was?!", mein Göttergatte sieht mich verdutzt an. "Renekloden!", wiederhole ich ungeduldig, "Kleine grüne Pflaumen! Es ist eine historische Obstsorte und sie ist ganz von alleine in unseren Garten gekommen. Ist das nicht toll?!". Mein Göttergatte sieht mich breit grinsend an. "Na, dann los. Jetzt bin ich gespannt!". Und dann stehen wir auch schon vor dem unscheinbaren Gewächs. Die kleinen grünen Pflaumen hängen prall an den Zweigen und laden direkt zum Pflücken ein. "Mmmmh! Sind die lecker.". mein Göttergatte und ich sind uns sofort einig. Süß, saftig und wunderbar aromatisch, mit einem Geschmack, der nach Spätsommer schmeckt und gleichzeitig etwas wunderbar Nostalgisches in sich trägt. "Wir haben Renekloden!", wiederhole ich leise und betrachte zufrieden meine Entdeckung. Zwischen den Blättern schimmern sie geheimnisvoll blaugrün und wenn die Augustsonne durch das Laub fällt, wirken die kleinen Kugeln fast wie winzige Planeten. Ich kann mich kaum entscheiden, ob ich lieber ernten oder einfach nur davorstehen und schauen möchte. Natürlich gewinnt am Ende die Ernte. Also machen sich der Göttergatte und ich ans Pflücken. Eine nach der anderen wandert in unsere alte Emailleschüssel und zwischendurch verschwindet natürlich immer mal wieder eine direkt in unserem Mund. Ein bisschen Pflückglück muss schließlich sein.


Renekloden gehören zu den alten Kulturformen der Pflaume und werden schon seit Jahrhunderten in unseren Gärten angebaut.  Der Name "Reneklode" (oder Reineclaude) geht direkt auf die französische Königin Claudia de France (Reine Claude, 1499–1524) zurück. Sie war die Ehefrau von König Franz I. und liebte diese süßen Früchte in ihren Schlossgärten so sehr, dass die Obstsorte ihr zu Ehren benannt wurde. Und vielleicht ist unsere kleine Reneklode tatsächlich ein Stück Gartengeschichte, denn direkt neben unserem Garten stand ein alter Pflaumenbaum, dessen freundlicher Besitzer leider vor ein paar Jahren verstorben ist und der selbst ebenfalls eingegangen ist. Vielleicht hat er uns noch einen kleinen Ausläufer herübergeschickt. Ein kleiner grüner Nachkomme eines alten Baumes, der nun bei uns weiterwächst. Irgendwie gefällt mir dieser Gedanke sehr. 

13 Kommentare:

  1. Mutti und ich müssen immer schmunzeln, was alles ungebeten zu euch kommt. Erst das weiße Huhn, jetzt ein Pflaumenbaum und dazwischen noch viele andere Dinge. Das ist herrlich! Liebe Grüße aus der Nachbarschaft Beate

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  2. Liebe Nicole,
    weder habe ich jemals von dieser alten Sorte gehört noch diese irgendwo entdeckt -
    Deine Freude ist mir gut nachvollziehbar, sind diese wunderbaren kleinen Erden doch nicht nur ein Fest für den Gaumen, auch fürs Auge geben sie etwas her.
    Viele Genussmomente wünsche ich Euch, liebe Grüße, C Stern

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  3. Ich liebe die Süsse dieser Früchte und habe sie gerade am Wochenende an meinem regionalen Marktstand gekauft. Sie haben unglaublich viele gesunde Inhaltsstoffe,,,,
    LG Angela

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    1. Herzlich willkommen bei mir, liebe Angela. Wie schön, dass Du die Renekloden genauso gerne magst wie ich. Ihre Süße ist wirklich etwas ganz Besonderes. Liebe Grüße Nicole

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  4. Guten Abend liebe Nicole, ich kann deine Freude absolut nachempfinden. Wir haben selbst eine Reneklode im Garten. Auch wenn unser ca.15 Jahre alter Baum nicht gerade mit einer Riesenernte überschüttet, werden wir jedes Jahr aufs Neue mit ein paar dieser zuckersüßen Früchte überrascht. Aufgrund der Trockenheit fallen bei uns die unreifen Kloden vorzeitig ab. Lasst es euch munden! Herzliche Grüße, Grit.

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    1. Ach, wie schön, liebe Grit. Dann kennst Du dieses kleine Glück mit den Renekloden ja selbst. Gerade weil unser Baum noch so jung ist, freue ich mich über jede einzelne Frucht ganz besonders. Schade, dass bei Euch die Trockenheit so viele unreife Früchte abfallen lässt. Hoffentlich bleiben euch trotzdem noch ein paar dieser kleinen süßen Kostbarkeiten zum Naschen. Ganz liebe Grüße, Nicole

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  5. Guten Morgen liebe Nicole,
    was seid ihr für Glückskinder. Renekloden im Garten, wie wundervoll.
    Ich habe letztens eine Schale Renekloden im Hofladen erwischen können. So ein Genuss!
    Liebe Grüße
    Tina

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  6. Liebe Nicole,
    ist das nicht genial, dass wir in unseren Gärten immer mal wieder etwas entdecken, das "vorher nicht da war"? Als wir dieses Grundstück hier gekauft haben ging es uns mit einem gar nicht so ganz kleinen Apfelbaum so. Nach zwei Jahren hingen da plötzlich Äpfel in der Hecke...
    LG
    Elke

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  7. Was für eine Überraschung! Renekloden gehörten zu meinen Kindheitsgenüssen. Und dann hab ich sie noch mal auf dem Wiener Naschmarkt gefunden. Ich mag auch diese Farbe, dieses bepuderte Grüngelb so.
    GLG
    Astrid

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  8. Oh, danke Nicole, jetzt weiß ich auch wie diese leckeren Früchte im Garten meines Sohnes heißen. Da es so viele waren habe ich leckeres Mus daraus gemacht.
    L.G KarinNettchen

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  9. ach wie schön..
    da hat die Natur euch ein Geschenk gemacht ..
    hattest du die Blüten im Frühjahr nicht bemerkt??
    Ich kenne zwar Renekloden aber habe , glaube ich , noch nie welche gegessen
    dann lasst sie euch mal schmecken
    liebe Grüße
    Rosi

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    1. Die Blüten habe ich im Frühjahr tatsächlich gesehen, liebe Rosi. Aber sie sind so unscheinbar, genau wie das ganze Gebüsch, dass ich damals natürlich nicht geahnt habe, welch leckeres Geschenk uns die Natur daraus bescheren würde. Jetzt freue ich mich umso mehr über die kleinen Renekloden und werde sie mir ganz sicher schmecken lassen. Herzliche Grüße zu dir!

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  10. Ist doch schön wenn die süssen Früchte von selber wachsen und gedeihen. Wir hatten auch einmal einen Reneklodenbaum und das mühsame war, dass sich das Fruchtfleisch fast nicht vom Stein gelöst hat. Aber die feine Marmelade vermisse ich heute noch.
    L G Pia

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