▼

Dienstag, 27. Oktober 2026

Kürbisschnitzen im Gartenpavillon


Die Oktobersonne scheint warm und golden von einem blitzblauen Himmel herab, sodass unser Gartenpavillon in der Mitte des Gartens geradezu strahlt. Gleich treffen wir uns zum gemeinsamen Kürbisschnitzen. Nach und nach trudeln alle ein und schon bald liegen kleine und große, gelbe und orangefarbene Kürbisse auf unserem alten Holztisch. Jeder sucht sich seinen Kürbis aus und überlegt, welches Gesicht er bekommen soll. Während die ersten Messer angesetzt werden, wird erzählt, gelacht und gefachsimpelt. Es ist schön, wieder gemeinsam um den Tisch zu sitzen und unserer kleinen Herbsttradition nachzugehen. "Ich habe heute keine Lust aufs Schnitzen!", verkündet meine liebe Freundin und ergänzt: „Ich bemale meinen Kürbis lieber!“ Währenddessen verpasst ihr älterer Sohn seinem Kürbis ein freches Gesicht mit dreieckigen Augen und einem breiten, gezackten Mund. Ihr jüngerer Sohn schaut lieber gemütlich zu. Mein Schneiderlein greift nach einem gelben Kürbis und schnitzt ein zuckersüßes Mäusegesicht hinein, während ihre Tochter, unsere Patentochter, ihrem Kürbis einen erschrockenen Gesichtsausdruck verpasst. Der Kürbis ihres Freundes schaut besonders grimmig drein und wird zum gruseligsten Kürbis des Tages gekürt. Nicht alle aus unserer Runde können heute dabei sein. Der Mann meiner lieben Freundin muss arbeiten und der Jüngste meines Schneiderleins hat diesmal keine Lust aufs Kürbisschnitzen. Das stimmt mein Schneiderlein wehmütig. Schließlich ist er der Jüngste unserer Runde und bisher war auch er bei unseren gemeinsamen Kürbisschnitznachmittagen mit dabei. Auch unser lieber Patenonkel, der weit entfernt in einem Pflegeheim lebt, fehlt uns heute. Wie schön wäre es, wenn er das fröhliche Treiben mit uns erleben könnte. Später kommt auch meine Herzenstochter dazu, deren Schatz leider heute auch nicht dabei sein kann. Anfangs wirkt sie noch etwas angespannt, doch während sie schnitzt und sich an unseren Gesprächen beteiligt, wird sie zunehmend gelöster. Meine beiden Söhne sind ebenfalls fleißig. Mein Großer schnitzt lange, spitze Zähne in das übergroße Maul seines Kürbisses und fügt kleine, runde Augen hinzu. "Dein Kürbis sieht ja aus wie ein Wels!", rufe ich lachend und ernte einen belustigten, leicht genervten Blick meines Großen. Der Kürbis meines Sohnemannes bekommt ein gruseliges Totenkopfgesicht. Mit seinen leuchtenden Augen, der dreieckigen Nase und den spitzen Zähnen sieht er richtig schaurig aus. Mein Göttergatte hat für seinen orangefarbenen Kürbis eine ganz eigene Idee und schnitzt kurzerhand einen kleinen Kürbis in seinen großen hinein. Bei meinem eigenen Kürbis läuft es schon zu Beginn schief. Ich habe die Öffnung oben viel zu klein geschnitzt, sodass sich das Innere partout nicht lösen will. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mit der Hand tief in den Kürbis zu greifen und die glibberigen Fasern samt Kernen herauszufischen. Brrr, dieses glitschige Zeug zwischen den Fingern ist einfach nur eklig. „Ach, menno!“, seufze ich laut und jammere ein bisschen herum. Mein Schneiderlein, deren Kürbis bereits fertig ist, hilft mir bereitwillig, aber nicht ohne mich zu foppen. "Gib schon her! Ich helfe Dir!", erklärt sie lachend und kann es nicht lassen, mir etwas Kürbiszeug ins Gesicht zu schnippen. "Iiiihhhh!", rufe ich und mich schüttelt es. Nee, also heute wird das nichts mit mir und dem Kürbisschnitzen! Während wir die letzten Kürbisreste vom Tisch sammeln, steht die Sonne schon tief zwischen den alten Bäumen und taucht unseren Garten in goldenes Abendlicht. Dann kommt endlich der Moment, auf den wir uns alle freuen. Der Mann meines Schneiderleins hat natürlich auch in diesem Jahr einen Plan und arrangiert unsere Kürbisse gekonnt auf den Strohballen vor dem Pavillon. Im Hintergrund leuchtet die Lichterkette und die geschnitzten Gesichter strahlen um die Wette. Orangefarbene und gelbe Kürbisse leuchten auf dem goldenen Stroh, darüber spannt sich ein Abendhimmel der blauen Stunde. Später sitzen wir mit heißer Kürbissuppe in den Brottassen zusammen, die mein liebes Schneiderlein extra für diesen Anlass gebacken hat. Es duftet würzig nach Kürbis, Kokosmilch, Ingwer, Muskat und Zimt. Draußen leuchten unsere Kürbisgesichter und am Tisch wird weiter erzählt und gelacht. Ich schaue in die Runde und bin dankbar, dass wir diese kleine Tradition gemeinsam pflegen. Unsere Jungs sind inzwischen erwachsen und doch stehen wir noch immer zusammen am Tisch und schnitzen Kürbisse. Wie schnell die Jahre vergehen! Mir wird ein wenig wehmütig ums Herz. Am liebsten würde ich solche Nachmittage für immer festhalten, mit schiefen Kürbisgrinsen, dampfender Suppe und Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind. 


7 Kommentare:

  1. Bewahr sie dir gut, diese Erinnerungen an Geselligkeiten, besonders im Herbst! Ich traure immer noch meinen Halloween-Essen nach, die dann dem Alter & den Gebrechen irgendwann zum Opfer fielen. Ich freu mich, wenn ich demnächst einen Adventskaffeenachmittag mit meinen Nachbarinnen hinkriege und Weihnachten einen Familientag. Alles hat seine Zeit. Der Spruch wird einem erst später in aller Konsequenz klar...
    Sonnige Grüße aus Köln!
    Astrid

    AntwortenLöschen
  2. Das war bestimmt ein wundervoller Tag für euch alle. Traditionen sind wichtig und bestimmt haben sich alle schon wieder darauf gefreut.
    Ganz wundervolle Kürbisse sind bei euch entstanden. Habt viel Freude daran, bestimmt schenken sie dir auch ein kleines Lächeln, wenn du dich an die Stunden der Entstehung besinnst.
    Liebe Grüße
    Petra

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Nicole,
    eure Tradition ist wirklich herzerwärmend zu lesen, und man kann die gemütliche Herbststimmung förmlich spüren. Die schaurig-schönen Kürbisgesichter sehen alle einfach toll aus – jedes Einzelne ist auf seine ganz eigene Art ein echtes Meisterwerk geworden! Die Kinder werden zwar älter und gehen irgendwann ihre eigenen Wege, aber es ist einfach wunderschön, wenn so ein vertrautes Beisammensein trotzdem immer wieder stattfindet und die Familie sowie Freunde zusammenbringt.
    Herzliche Grüße
    Grit

    AntwortenLöschen
  4. Das sieht wieder so schön aus liebe Nicole, ich mag Euer Schnitzen und freue mich jedes Jahr drauf.
    Der erschrockene Kürbis ist große klasse, aber auch der von Deinem Schatz.
    Ach was, eigentlich sind doch alle schön und was ganz Besonderes.
    Lieben Gruß
    Nicole

    AntwortenLöschen
  5. Oh, wie herrlich, ihr habt wieder Kürbisse geschnitzt. So ein tolles Bild🤩 Danke auch fürs zeigen bei uns Kreativtanten. Herzlichst Kirsten 💜

    AntwortenLöschen
  6. Ach, wie schön, liebe Nicole! Das war bestimmt ein ganz herrlicher Nachmittag. Die Kürbisse sind herrlich geworden. Stellst du sie wieder vorne auf die Treppe? Ganz liebe Grüße aus der Nachbarschaft Beate

    AntwortenLöschen
  7. hach wie schön..
    da hätte ich gerne Mäuslein gespielt ;)
    herrlich sind die Kürbisse geworden..
    jeder ein Unikat
    lustig finde ich den Mäusekürbis..
    er sieht wirklich wie eine freche Maus aus ;)
    mein Vater lud immer zu seinem Namenstag zum Hubertusessen ein ..
    da gab es Hirsch.. Braten oder Gulasch mit Preiselbeeren.. Rotkraut und Klößen (in einem Lokal)..früher kamen auch noch Freunde dazu.. später war es nur noch die Familie und nun ist nichts mehr .. es war immer sehr lustig
    liebe Grüße
    Rosi

    AntwortenLöschen

♥ Danke, dass Du Dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst ♥

Auch wenn Google es nun begünstigt, anonym zu kommentieren, wünsche ich mir nach wie vor, dass Dein Name am Ende des Kommentars steht, genau wie der Name Deines Blogs (natürlich nur, wenn vorhanden).

Ich bin gemäß Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) dazu verpflichtet, Dich darauf hinzuweisen, was mit Deinen Daten passiert, die Du hier im Kommentarfeld hinterlässt. Bitte beachte deshalb meine Datenschutzerklärung. Danke!