"Kastanie, Kastanie komm aus deinem Haus. Kastanie, Kastanie komm doch endlich raus. Du bist rund und schön, alle woll'n dich sehn.", leise summen meine kleine Patentochter und ich vergnügt das einfache Herbstlied aus Kindergartenzeiten mit. "Ach, es ist schon viel zu lange her, dass Kinderlieder durch unser Haus klingen.", denke ich nur für mich und beobachte lächelnd wie der hübsche Blondschopf angestrengt einen Zahnstocher durch die feste Schale einer Kastanie bohrt. Ihre langen Haare fallen ihr ins Gesicht und in ihrem Mundwinkel ist ein kleines Stück ihrer Zunge zu sehen. "Soll ich dir helfen, Schatz?", frage ich vorsichtig und bekomme, wie aus der Pistole geschossen, die erwartete Antwort: "Nein, Nicole. Ich bin doch jetzt schon groß!". Ich nicke verstehend und kippe den Korb mit unseren gesammelten Herbstschätzen noch einbissel an. Dicke, glänzende Kastanien kullern auf den Tisch und sehen zusammen mit den bunten Herbstblättern gleich herrlich dekorativ aus. "Weißt du eigentlich, dass ich unser Herbstbasteln liebe, Nicole?", meine Patentochter schiebt sich eine Strähne aus dem Gesicht und sieht mich dann unverwandt an. "Das geht mir doch genauso, mein Schatz!", ich breite meine Arme aus und sie fliegt hinein. Für einen Moment stehen wir einfach nur da und halten uns innig fest, um dann weiter den Nachmittag mit dem fröhlichen Basteln von Kastanienmännern, Kastanienfrauen und Kastanienhasen zu verbringen.