Freitag, 6. März 2026

Gelbe Narzissen (oder "Wer erinnert sich an Entchen Momo?")


Guten Morgen meine Lieben! Wie schön, dass wir uns heute hier im Esszimmer treffen. Ist das Licht nicht einfach herrlich im Moment?! Der Monat März hat uns den Frühling geschenkt und ich bin sehr glücklich darüber. Auch wenn mein ältester Sohn mir jetzt schon mehr als einmal deutlich gesagt hat das dieser frühe Frühling kein Grund zur Freude ist: "Mama, die verfrühte Wärme ist ein Symptom der Erderwärmung, das die stabilen Jahreszeiten auflöst. Dieser gestörte Rhythmus setzt die heimische Natur unter massiven Anpassungsstress. Aber eigentlich brauche ich dir das ja nicht zu sagen, oder?!". Nein, natürlich muss er mir das nicht sagen. Doch auch wenn mir das eigentlich alles bewusst ist, genieße ich die Wärme, den blauen Himmel und das Vogelgezwitscher. Den Klimawandel und die anderen schrecklichen Ereignisse in der Welt dieser Zeit verdränge ich so gut wie es geht. Ich würde sonst verrückt werden. Und ich glaube, dass geht vielen von uns so, oder?! Wie war denn Eure Woche? Ich habe die meiste Zeit in dieser Woche im Garten verbracht. (Also, wenn ich nicht gerade im kleinen Weltladen gearbeitet habe!) Unseren alten Vorgarten gibt es schon nicht mehr und viele Arbeiten sind bereits erledigt. Sogar der kleine Sitzbereich ist bereits fertig geworden. Jetzt fehlt nur noch die Bepflanzung: Stauden und Gräser in verschiedenen Höhen und Farben, dazu die drei Spalierapfelbäume, eine Felsenbirne und sechs Hainbuchen, um die bestehende Hecke aufzufüllen bzw. zu erweitern. Sobald alles fertig ist, zeige ich es Euch. Versprochen! Ach, herrje.. jetzt habe ich Euch gar nichts zu trinken angeboten, doch ich bin mir sicher, Ihr hättet Euch doch gemeldet, oder?! Habt Ihr eigentlich gerade meine wunderschönen gelben Narzissen gesehen? Gemeinsam mit dem zierlichen Schleierkraut in der schweren Glasvase schweben sie geradezu wie eine Wolke über den Esstisch. Bezaubernd, oder?! Aber nun noch die wichtigste Frage an Euch: Wer erinnert sich an Entchen Momo?

Euch ein wundervolles Frühlingswochenende, meine Lieben!
Herzlichst, Nicole


Donnerstag, 5. März 2026

Abschied vom Vorgarten


Es ist ein leiser Abschied, der in diesem Frühjahr vor unserer Haustür stattfindet. Unser Vorgarten, wie wir ihn seit Jahren kannten, existiert so nicht mehr. Die Spalierkirschen, die uns im Frühling zartweiße Blüten schenkten und im Sommer Schatten und Struktur gaben, mussten schon im Herbst weichen. Die Wurzelfäule hatte ihnen längst den Boden unter den Füßen entzogen. Zurück blieb eine Lücke, sichtbarer Ausdruck des leisen Verfalls, der im Verborgenen schon lange begonnen hatte. Nun hat es auch den Spalierapfelbaum erwischt. Noch steht er da, doch wir wissen: Sein Abschied ist beschlossene Sache. Besonders unser großer Sohn, unser Apfelexperte, bedauert das sehr.  Zum Glück bleiben Erinnerungen: an erste kleine Äpfel, an Sonnentage, an Momente, in denen man nur mal eben in den Vorgarten ging, um zu schauen, wie weit der Apfelbaum schon im Jahr ist. Und doch, mitten in dieser Wehmut, blinzelt schon etwas Neues hervor. Zwischen all den Veränderungen tauchen sie auf: die hübschen lila Krokusse, die sich jedes Jahr zuverlässig durch die Erde schieben, als wüssten sie nichts von unserer Traurigkeit. Ich habe sie mit unseren Söhnen im Kindergartenalter gepflanzt. Nur immer ein oder zwei Zwiebeln, versteckt wie kleine Schätze. Und nun stehen sie in großen, dichten Büscheln, ein lila Wunderteppich, der aus Geduld und kindlichen Händen gewachsen ist. Ihre zarten Blüten sind wie kleine Trostpflaster: Erinnerungen an das, was war, und gleichzeitig ein Versprechen auf das, was kommen kann. Sie wollen wir retten. Behutsam, mit Spaten und Herz, sollen sie einen neuen Platz bekommen, an dem sie weiter den Frühling ankündigen dürfen. Der Verlust unseres alten Vorgartens ist auch ein Anfang. Wenn die alten Bäume gehen, entsteht Raum im Beet, aber auch im Kopf. Drei neue Spalierbäume sind geplant, sorgfältig ausgewählt, damit sie wieder diesen vertrauten Rahmen bilden, der Haus und Garten zusammenhält. Dazwischen soll ein Platz entstehen, an dem man verweilen kann: sitzen, schauen, atmen. Ein Plätzchen im Grünen, direkt vor der Haustür. Vielleicht mit einer Bank, einem Stuhl, einem Becher Kaffee in der Hand, während die Welt an der Grundstücksgrenze vorbeizieht.

Dienstag, 3. März 2026

Kleine Draht-Osterhasen


Heute habe ich Euch einen, nein, gleich zwei süße Osterhasen aus Basteldraht mitgebracht. Ein Häschen mit einem Körper in Ei-Form und eines mit Herzchenpo. Perfekt für die Oster- oder Frühlingsdekoration, findet Ihr nicht auch? Mit nur drei Materialien und wenigen Handgriffen habt Ihr einen charmanten Hänger oder Tischschmuck für den Ostertisch. So niedlich, oder? 


Material pro Häschen
  • Schwarzen Basteldraht, 35 cm
  • Drahtschere
  • Runde Holzperle, 9 mm, mit Loch in der Mitte (helle Farbe wirkt besonders niedlich)

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Herz-Schwänzchen formen
Nehmt den 35-cm-Draht und formt genau in der Mitte ein kleines herzförmiges Stummelschwänzchen. Biegt zwei runde Bögen, die in der unteren Spitze zusammenlaufen. Das wird der süße Hasenpo!

Holzperle als Kopf aufsetzen
Führt beide Drahtenden von unten durch das Loch der 9-mm-Holzperle, sodass sie genau in der Mitte sitzt. Die Perle wird so zum runden Hasenkopf, direkt über dem herzigen Stummelschwänzchen.

Ohren biegen
Die oberen Drahtenden formt Ihr zu zwei Schlaufen, die wie Hasenohren aussehen. Jede Seite eine längliche Schlaufe biegen, leicht schräg stellen und die Enden um 1–2 Windungen fixieren, damit alles stabil bleibt.


Viel Spaß beim Häschen-Basteln!
Herzlichst, Nicole


Ich habe die Idee bei Instagram entdeckt,
doch leider ist mir das Reel abhanden gekommen, 
aber so einfach war und ist die Umsetzung.


Sonntag, 1. März 2026

März - Ein niederrheinischer Jahreszeiten-Begleiter


"Ichst der März waarm und faan, weed der April störmesch saan."

Übersetzung: "Ist der März warm und fein, wird der April stürmisch sein."

Der März lockt mit milden Tagen und täuscht einen frühen Frühling vor, doch der April rächt sich mit Stürmen und Kälte, die die jungen Pflanzen bedrohen. Bauern wussten: Zu frühe Wärme führt oft zu späteren Schäden in Feld und Garten. Die Natur hält sich noch bedeckt, und wer zu früh aussät, geht ein Risiko ein.


Herkunft: Niederrheinische Bauernweisheit, mündlich überliefert seit dem 19. Jahrhundert.


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Willkommen zu meinem Jahreszeiten-Begleiter: 
Die 12 Monate in Redewendungen vom Niederrhein

Guten Morgen, meine Lieben, in meinem neuen Blogprojekt nehme ich Euch mit auf eine ganz besondere Reise durch das Jahr und zwar mit den traditionellen Monatsreden und Sprüchen, die hier am Niederrhein in Mundart überliefert sind. Jeder Monat hat seine eigene Stimmung, seine typischen Wetterkapriolen, seine Landwirtschaftszeiten und seine festlichen Bräuche. Diese vielschichtige Verbindung von Natur, Alltag und Sprache zeigt sich wunderbar in den alten Redewendungen, die ich für Euch gesammelt, übersetzt und mit Erklärungen versehen habe. Doch bevor wir starten, möchte ich kurz etwas zur Sprache sagen: Der niederrheinische Dialekt ist eine lebendige Ausdrucksform, die über viele Generationen hinweg gepflegt wurde. Er klingt weich, melodisch und oft ein wenig "singend". Seine Wörter und Wendungen tragen Spuren des Niederländischen und Rheinischen in sich: ein spannendes Zeugnis der Grenznähe und der bewegten Geschichte unserer Region. Viele ältere Menschen hier können diesen Dialekt noch fließend sprechen, doch selbst wer ihn nicht mehr alltäglich nutzt, erkennt in ihm sofort Vertrautheit, Heimat und Wärme.

Ihr findet hier jeweils:
  • Die mundartliche Redewendung des Monats, so wie sie seit dem 19. Jahrhundert mündlich überliefert wird,
  • Eine genaue Übersetzung ins Hochdeutsche für vollständiges Verständnis,
  • Eine Erklärung, die Herkunft und Bedeutung des Spruchs beleuchtet,
  • Und natürlich die saisonale Atmosphäre, in der die Aussage ihren Ursprung hat.

Mit dieser Reihe möchte ich Euch nicht nur eine Sprache und Kultur näherbringen, sondern auch die Rhythmen und Traditionen eines Naturjahres am Niederrhein erlebbar machen. Es ist eine Einladung, die Jahreszeiten bewusster wahrzunehmen und die kleinen Zeichen der Natur zu sehen: von frostigen Januartagen über die ersten Blüten im Mai bis zum wohligen Kerzenschein im Dezember. Begleitet mich auf diesem Weg! Taucht ein in die Sprache, die Landschaft und die Jahreszeiten, spürt mit mir gemeinsam das Leben hier am Niederrhein in all seinen Facetten und lasst Euch inspirieren für eure eigene Jahreszeitengestaltung.


Van Hart’n willkamen bi mi!
Dat Niköleken

Verlinkt mit: *Jahresprojekt 2026*


Der Schlehdorn, auch Schwarzdorn
oder Schlehe genannt,
ist ein dorniger Strauch bis 4 m hoch
mit weißer Blüte im März/April vor dem Laub.
Das oben gezeigte Foto habe ich allerdings
schon am 27.02.2026 gemacht.
Sonnig, wolkenlos,18 °C

Freitag, 27. Februar 2026

12tel Blick - Februar / Ein Wipfelbild


Nach dem himmlischen Auftakt im Januar kehrt im Februar Ruhe in meinen 12tel Blick ein. Sowohl der Januar als auch der frühe Februar brachten hier am Niederrhein ganz ungewohnt eine dichte Schneedecke. Ein seltener Winterzauber, der Beete, Sträucher und Bäume über unseren Waldgarten einhüllte und alles wirken ließ, als hätte jemand eben eine leise, weiße Decke über die Landschaft gebreitet. Wenn ich aus unserem Kinderzimmerfenster schaue, erscheint mir der Garten plötzlich viel klarer strukturiert: Wege zeichnen sich unter dem Schnee ab, Astgerüste treten deutlicher hervor und selbst die sonst so dichte Wildnis wirkt für einen Moment geordnet. Die Geräusche sind gedämpft, als würde der Garten tief einatmen und sich noch einmal ausruhen, bevor nur einige Tage später das Frühjahr erwacht. Ich mag diesen ruhigen, fast monochromen Anblick sehr, denn er erzählt eine andere Geschichte als der farbenglühende Januarhimmel: vom Innehalten, vom Warten und von der Kraft, die unter der Schneedecke schon heimlich sammelt. Ich bin neugierig, wie sich dieser Blick in den nächsten Monaten verändern wird, wenn der Waldgarten mit geballter Kraft wieder zu neuem Leben erwacht. Seid Ihr auch gespannt?


Verlinkt:

Freitag, 20. Februar 2026

Tulpenglück und Fastenzeit


Guten Morgen, meine Lieben. Ach, wie freue ich mich, dass Ihr heute wieder mit mir hier in der Küche seid. Habt Ihr gerade die bunten Tulpen in der Vase gesehen? Sie stehen in meiner alten Lieblingsvase auf der Anrichte in unserer Küche. Rosa, rot, gelb und lila leuchten sie uns schon von weitem fröhlich entgegen. Dabei ist uns gar nicht so wirklich fröhlich zu Mute, denn eine traurige Nachricht hat uns Anfang dieser Woche erreicht: der beste Freund unseres verstorbenen Opas ist gestorben, nur einen Tag vor dem Jahrestag von Opas Weggang. Zum Glück haben sich die beiden Witwen noch zum gegenseitigen Trösten, da sie sich ebenfalls sehr zugeneigt sind und auch noch im selben Haus wohnen. Während ich hier sitze und schreibe, fällt übrigens wieder Schnee aus den Wolken und legt ein weißes Tuch über unseren Garten. In diesem Jahr meint es der Winter "gut" mit uns am Niederrhein. Ich kann mich gar nicht satt sehen, wobei ich hoffe, dass sich das Wetter bis nächste Woche beruhigt. Mein Großer macht sich nämlich auf, um sich die Welt anzusehen. Er fliegt nach Schottland und ist schon ganz aus dem Häuschen.. freu mit! Was sonst noch so ist, möchtet Ihr wissen. Nicht viel. Die Karnevalszeit ist beinahe still an uns vorübergezogen und Fastenzeit sowie Ramadan haben in diesem Jahr zeitgleich begonnen. 40 Tage bis Ostern für die einen, etwa 30 Tage bis Zuckerfest für die anderen. In dieser besinnlichen Zeit denke ich über ein kleines Fasten nach. Für mich geht es dabei nicht um große Opfer, sondern um Raum für das Wichtige (als ob ich das nicht sowieso immer machen würde.. grins schief): einen tiefen Atemzug inmitten des Alltags, bewussteres Essen und mehr Achtsamkeit mit meiner Gesundheit. Ein bisschen weniger Hektik und mehr Zeit füreinander. Hat die Fastenzeit auch für Euch eine Bedeutung? Erzählt doch mal! 

Euch ein kuscheliges Wochenende, meine Lieben.
Herzlichst Nicole

Sonntag, 15. Februar 2026

Schottische Hochlandrinder am Niederrhein


Noch bevor sich die Sonne ganz am Horizont zeigt, sind mein Göttergatte und ich gemeinsam mit unserer hübschen Hündin Julie unterwegs am Rande des Hochwaldes. Frühnebel hängt zart in den Wiesen, die Sonne bricht golden durch die feinen Schwaden und ein 12 Grad milder Februarwind streicht über die noch brachliegenden Felder. Die Luft duftet nach Erde und jungem Grün, vermischt mit einer feuchten Kühle. Im Hintergrund hört man die Jäger im Niederkamperwald und auf den Feldern, was Julie unruhig werden und sie dicht bei mir bleiben lässt. Auf der Huteweide* vor dem Baerlagshof, zwischen Leucht und Niederkamperwald, stehen die schottischen Hochlandrinder vom Prangshof** und nur ein Stacheldrahtzaun trennt uns. Neugierig kommen die hübschen Rinder, deren Zottelfell satt in der Sonne glänzt, an den Zaun. Sie sind zwar nicht so groß wie erwartet, dafür aber von eindrucksvoller, friedlicher Präsenz und ihre großen Hörner verleihen ihnen Würde. Kombiniert mit dem zotteligen Fell wirken sie urtümlich und unerschütterlich friedlich. Ich reiche die Hundeleine meinem Göttergatten und gehe ich noch etwas näher an den Zaun. Eine Kuh und ein Bulle sind besonders zutraulich und kommen neugierig näher. Kurz vor dem Zaun bleiben sie stehen und lassen mich ein paar Fotos machen. Als sie zärtlich ihre Nasen aneinander reiben, seufze ich vor Entzücken auf und bin dankbar diesen Moment voller Vertrauen erleben zu dürfen. Einzelne Grünfinken fliegen zwitschernd über die Weide und ihr Zwitschern passt wunderbar zu diesem frühlingshaften Moment. 



*Hutewiese: Traditionelle baumgespickte Weide aus der Hutewirtschaft: lichte Flächen mit Hutebäumen, wo Rinder ganzjährig grasen und Schatten finden. Historisch (ab dem Hochmittelalter) im Niederrhein verbreitet, entstanden durch Viehhaltung ohne Rodung.

**Der Prangshof in Kleinholthuysen ist ein niederrheinischer Vierkanthof aus dem 14. Jahrhundert. Dort betreiben Sven und Kathrin Kuypers seit 2005 nachhaltige Landwirtschaft mit etwa 30 schottischen Hochlandrindern aus registrierter Zuchtlinie. Die robusten Tiere grasen 365 Tage im Jahr, erhalten kein Kraftfutter und jedes Kalb bleibt neun Monate bei der Mutter.


P.S. Ich habe den Text gekürzt. Wer wissen möchte wie er "in echt" endet, liest jetzt einfach weiter:

Doch dann knallt in der Nähe ein Schuss eines Jagdgewehr und Julie drängt sich mit eingezogenen Schwanz dicht an das Knie meines Göttergatten. Diesmal seufze ich vor Missbilligung und nicke meinem Göttergatten zu: "Komm' lass uns nach Hause gehen!".


verlinkt: *Montatsspaziergang*