Freitag, 17. Juli 2026

Von Ähren, Zucchini und kleinen Freuden


Guten Morgen, meine Lieben! Wie schön, dass Ihr wieder in meine Küche gekommen seid. Möchtet Ihr etwas trinken? Sagt es ruhig, Tee, Kaffee oder ein Kaltgetränk? Wir haben alles da! Dann macht es Euch erst einmal gemütlich. Heute beginnen die Sommerferien bei uns in Nordrhein-Westfalen und für viele Familien beginnt die schönste Zeit des Jahres. Früher bedeutete das für unsere Jungs sechs Wochen voller Freiheit. Inzwischen ist das ein wenig anders. Mein Großer steckt mitten in der Klausurenphase an der Uni und mein jüngster Sohn steckt mitten in seiner Ausbildung und statt Ferien wartet nun eine Fünf-Tage-Woche auf ihn, weil die Berufsschule pausiert. Manchmal frage ich mich wirklich, wo die Zeit geblieben ist. Doch jetzt muss ich Euch eine kleine Begebenheit erzählen: auf unseren täglichen Spaziergängen durch den Dachsbruch begegnen wir immer wieder lieben Menschen. Inzwischen kennt man sich, bleibt für ein kleines Schwätzchen stehen und plaudert über den Garten, das Wetter oder das, was gerade wächst und gedeiht. So auch mit Ursula. Als wir uns vor ein paar Tagen trafen, drückte sie mir lächelnd drei ihrer selbst gezogenen runden Zucchini in die Hand. Ich habe mich riesig über dieses liebe Geschenk gefreut, denn in diesem Jahr wachsen keine bei uns im Garten. Dabei muss ich Euch noch etwas gestehen. Ich hatte mir die Freiheit genommen, meine Hunderunde mit einem Teammeeting zu verbinden. Als Julie und ich Ursula begegneten, steckte ich das Handy in die Hosentasche, weil ich dachte, das Meeting beendet zu haben. Dass es noch weiterlief, habe ich überhaupt nicht bemerkt. Erst später fiel mir auf, dass meine Gesprächspartner unser Gartenzaungespräch wohl die ganze Zeit mitgehört hatten. Das war mir im Nachhinein schon ein bisschen peinlich.. schäm! Na, ja. Jetzt haben sie wenigstens ein leckeres Zucchini-Rezept.. lach! Nachdem wir uns verabschiedet hatten, ging es mit den drei Zucchini nach Hause. Frischer geht es kaum. Während sie später in unserer Küche auf ihren Einsatz warteten, durften ein paar frisch geschnittene Getreideähren in meinen gestreiften Krug ziehen. Für mich sind sie der Inbegriff des Hochsommers. Schlicht, natürlich und wunderschön. Wenn wir mit Julie durch den Dachsbruch spazieren, begleiten uns seit Wochen die weiten Getreidefelder. Das Korn ist längst erntereif und schimmert in seinem warmen weizenblonden Farbton. Auf manchen Feldern liegen schon seit zwei Wochen die großen Strohballen und überall sind Mähdrescher unterwegs. Es ist eine Zeit, die ich jedes Jahr aufs Neue liebe. Ein paar Ähren auf dem Küchentisch genügen und schon zieht dieses besondere Sommergefühl bei uns ein. Manchmal braucht es gar keinen üppigen Blumenstrauß, sondern nur ein paar Ähren, um sich ein Stück dieser Jahreszeit ins Haus zu holen. Die drei runden Zucchini wanderten natürlich direkt in unsere Küche. Gemeinsam mit einer würzigen Hackfleischfüllung und reichlich Käse entstanden daraus sechs gefüllte Zucchinihälften. Drei wurden mit Gouda überbacken und drei mit Feta. Dazu gab es frisches Ciabatta und ich kann Euch sagen, viel übrig geblieben ist an diesem Abend nicht. Ob mit Gouda oder Feta, geschmeckt haben uns beide Varianten richtig gut. Und wer weiß? Vielleicht ist das Rezept ja auch etwas für Eure Sommerküche.


Gefüllte runde Zucchini mit Hackfleisch

Für 6 Zucchinihälften

Zutaten:
  • 3 große runde Zucchini
  • 400 g Rinderhackfleisch
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Tomatenmark
  • 400 g passierte Tomaten
  • 2 EL Crème fraîche
  • 100 g geriebener Gouda
  • 100 g Feta
  • 1 TL Oregano
  • 1 TL edelsüßes Paprikapulver
  • Salz und Pfeffer
  • 1 Prise Zucker

Zubereitung

Den Backofen auf 180 °C Umluft vorheizen. Die Zucchini waschen, halbieren und mit einem Löffel vorsichtig aushöhlen. Das Fruchtfleisch klein würfeln. Zwiebel und Knoblauch fein hacken. Das Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebel glasig dünsten. Den Knoblauch kurz mitdünsten. Anschließend das Hackfleisch krümelig anbraten. Tomatenmark und das gewürfelte Zucchinifleisch hinzufügen und kurz mitrösten. Passierte Tomaten unterrühren und alles mit Oregano, Paprikapulver, Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen. Einige Minuten köcheln lassen. Die sechs Zucchinihälften in eine Auflaufform setzen und mit der Hackfleischmasse füllen. Auf jede Hälfte einen kleinen Klecks Crème fraîche geben. Drei Hälften mit Gouda bestreuen und die übrigen drei mit zerbröseltem Feta belegen. Im vorgeheizten Backofen etwa 25 bis 30 Minuten backen, bis die Zucchini weich sind und der Käse goldbraun überbacken ist.

Euch ein wunderbares Sommerwochenende!
Herzlichst, Nicole



Dienstag, 14. Juli 2026

Wo der Sommer nach Korn duftet

Noch ist es keine zehn Uhr, doch schon jetzt flimmert die Luft über den weiten Feldern des Dachsbruchs. Hand in Hand gehen mein Göttergatte und ich den vertrauten Feldweg entlang, während Julie ein paar Schritte vor uns neugierig von Duftspur zu Duftspur schnüffelt. Kein Wölkchen zeigt sich am tiefblauen Himmel und die Sonne brennt bereits unerbittlich auf den Niederrhein herab. Es verspricht einer jener Sommertage zu werden, an denen selbst der Schatten kaum noch Abkühlung schenkt. Links und rechts begleiten uns weizenblonde Getreidefelder. Die schweren Ähren neigen sich sanft im kaum spürbaren Morgenwind. Gleich daneben hat die Ernte bereits begonnen. Lockere Schnittschwaden liegen auf den Stoppelfeldern und hier und da ruhen große Rundballen in der prallen Julisonne. Alles wirkt still und beinahe schläfrig, als würde die Landschaft ihre Kräfte für die Hitze des Tages sammeln. Der Feldweg unter unseren Füßen ist längst versandet. Jeder Schritt wirbelt feinen Staub auf, der sich wie ein heller Schleier wieder über den Boden legt. Kein Regentropfen hat ihn seit Tagen gebunden. Der warme Duft nach reifem Korn liegt schwer in der Luft. Für mich riecht der Hochsommer am linken Niederrhein genau so. Unwillkürlich kneife ich die Augen gegen die Sonne etwas zusammen und streiche mir eine lockige Haarsträhne aus dem Gesicht. Im Vorbeigehen streife ich eine der schweren Ähren. Ein paar reife Körner lösen sich und fallen lautlos zwischen die trockenen Halme. Mich berührt dieser ewige Kreislauf des Lebens jedes Jahr aufs Neue. Nichts bleibt, wie es ist, und gerade darin liegt eine tröstliche Beständigkeit. In der Ferne laufen Hasen über die Stoppelfelder und knapp darüber ziehen rufend ein paar Mehlschwalben ihre Kreise. Es ist einer dieser Morgen, an denen man schon früh ahnt, dass der Tag glühend heiß werden wird. Erst weit hinten am Horizont schieben sich langsam ein paar Wolken zusammen. Ein zartes Lüftchen streicht über die Felder und bringt die biegsamen Ähren zum Tanzen. Mein Göttergatte lächelt mich an und auch Julie hebt kurz den Kopf in den Wind. Vielleicht bringen die Wolken ein paar Tropfen Regen. Vielleicht ziehen sie aber auch einfach nur vorbei. Wir gehen schweigend weiter und genießen diesen stillen Sommermorgen, bevor die Hitze den Niederrhein wieder fest in ihren Händen hält.



Freitag, 10. Juli 2026

Von Klaräpfeln, Apfelmus, Schafgarbe und wilder Pastinake


Hallo, meine Lieben! Wie schön, dass Ihr wieder hintenrum reingekommen seid. Ich habe darauf gehofft, denn im Moment befülle ich unseren Thermomix unentwegt. So viele Sommerfrüchte- und Beeren warten darauf verarbeitet zu werden. Ist es nicht herrlich heute? Draußen strahlt die Sonne und hier drinnen ein ländlich anmutender Strauß aus wilder Pastinake und Schafgarbe. Diese zarten, filigranen Blüten bringen ein Stück Natur und Leichtigkeit in meine Küche und erinnern mich an warme Sommertage auf dem Land. Die wilde Pastinake mit ihren feinen, gelben Dolden wirkt dabei besonders elegant und luftig, während die Schafgarbe mit ihren kleinen, weißen Blüten einen feinen Kräuterduft verströmt. Ich finde, diese Kombination ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern verbreitet auch ein natürliches, sommerliches Flair, findet Ihr nicht auch?! So, nun muss ich aber weitermachen. Ein Kilo Klaräpfel habe ich schon verarbeitet. Das sind fünf volle Twist-off-Gläser Apfelmus. Wisst Ihr was Klaräpfel sind? Klaräpfel gehören zu den ältesten Sommerapfelsorten. Sie sind herrlich saftig, schmecken angenehm säuerlich und werden bei Vollreife schnell weich. Deshalb eignen sie sich wunderbar zum Naschen, Backen oder eben auch für ein leckeres Apfelmus. Bevor ich mich nun wieder an den nächsten Topf mache, muss ich Euch aber noch etwas Wunderschönes erzählen. Einige von Euch erinnern sich bestimmt noch an unser Januarmädchen und das kleine Dezembermädchen, die meine Nichte im vergangenen Jahr zu Weihnachten zur Welt gebracht hat. Nun hat unsere Familie wieder Zuwachs bekommen. Gestern ist unser Julimädchen geboren worden. Ein zuckersüßer kleiner Wonneproppen, rund, gesund und einfach zum Verlieben. Seine Mama hat das ganz wunderbar gemeistert. Mein Neffe schwebt als frischgebackener Papa natürlich auf Wolke sieben und mein Bruder darf sich nun schon zum dritten Mal Opa nennen. Und wisst Ihr, was das Schönste war? Obwohl uns viele Kilometer trennen, hat mein Neffe dafür gesorgt, dass ich die ganze Aufregung ein kleines bisschen miterleben durfte. Schon am Abend zuvor schrieb er mir, dass die Fruchtblase bereits am Morgen geplatzt war. Die Hebamme sei ganz entspannt und es würde wohl noch etwas dauern. Ich war ganz gerührt, dass er mich so selbstverständlich an diesem besonderen Moment teilhaben ließ und habe die ganze Nacht und bis in den nächsten Morgen hinein mitgefiebert. Ist das nicht unglaublich lieb? Als dann schließlich die wunderbare Nachricht mit einem Foto kam, dass unser kleines Julimädchen gesund und munter das Licht der Welt erblickt hatte, standen mir vor Freude die Tränen in den Augen. Ach, was gibt es Schöneres als neues Leben? Unser Familienglück ist damit wieder ein kleines Stück gewachsen.


Rezept: Apfelmus ungeschält (Thermomix)


Zutaten
  • 800 g ungespritzte & ungeschälte Klaräpfel
  • 200 g Elstar
  • 100 ml Wasser
  • 100 g (Rüben-)Zucker
  • Etwas Vanillezucker
  • Einige Spritzer Zitrone
Zubereitung

Äpfel in Stücke schneiden, Kerngehäuse und Stiel entfernen. Wasser, Zucker, Vanillezucker und Zitrone dazugeben. 10 Sekunden / Stufe 5 zerkleinern. 20 Minuten / 100°C / Stufe 1 kochen. Je nach gewünschter Konsistenz 15 bis 25 Sekunden / Stufe 5 pürieren. Das heiße Mus in saubere Twist-off-Gläser füllen und sofort verschließen.

Tipp: Für ein besonders goldgelbes Apfelmus können einige gelbe Äpfel, zum Beispiel Elstar oder Gala, mit den Klaräpfeln kombiniert werden.

Das Apfelmus schmeckt zu Pfannkuchen, Reibekuchen oder Joghurt, aber auch einfach pur. Mit seinem frischen Geschmack passt es wunderbar zu dem sommerlichen Flair, das die wilden Blumen heute in meine Küche zaubern.

Ich wünsche Euch einen wunderschönen 
sommerlichen Blumenfreitag 
und viel Freude mit Blumen und leckerem Apfelmus.
Herzlichst, Nicole



Dienstag, 7. Juli 2026

Ein früher Morgen im Vorgarten


Während die Sonne im Osten langsam hinter der hohen Hainbuchenhecke den blassblauen Himmel erklimmt, schleiche ich, nur im Schlafanzug und einer langen Strickjacke bekleidet, in den Vorgarten. Ich möchte die Morgenstimmung nutzen und ein paar Fotos machen, solange die Welt noch schläft. Doch lange bleibe ich nicht allein. Hinter dem Rosenbusch höre ich ein vertrautes, zufriedenes Mauzen. Kurz darauf streicht unser Kater Sky um meine Beine, begrüßt mich auf seine ganz eigene Art und begleitet mich neugierig auf meinem kleinen Gartenrundgang. Während ich fotografiere, bleibt er dicht an meiner Seite. Mal streicht er schnurrend um meine Beine, mal setzt er sich einfach vor meine Füße und beobachtet aufmerksam, was ich da eigentlich treibe. Gemeinsam schlendern wir durch das Beet. Die Schafgarbe streckt ihre blütenreichen weißen Dolden den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Ihr fein gefiedertes Laub bildet einen wunderschönen Kontrast zu den großen Blättern der Nachbarpflanzen. Noch liegt eine wohltuende Stille über dem Garten. Die Luft ist frisch und selbst die kleinen Gartenbewohner scheinen noch zu schlafen. Gleich daneben entdecke ich die zauberhaften Glöckchen des Bartfadens. Ich mag sie sehr. Sie wirken so filigran und leicht, als würden sie bei jedem Windhauch leise läuten. Zwischen dem satten Grün entdecke ich tatsächlich noch einige letzte himmelblaue Blüten des Kaukasus-Vergissmeinnichts. Sie sind wie ein kleiner Abschiedsgruß des Frühlings. Die Berg-Flockenblume hingegen hat ihren großen Auftritt bereits hinter sich. Nur eine einzige, etwas zerzauste Blüte hält tapfer die Stellung. Irgendwie rührt mich dieser kleine Nachzügler. Dafür beginnt der Wasserdost langsam seine ersten Blüten zu öffnen. Schon bald wird er wieder zahllose Hummeln und Wildbienen anlocken. Doch an diesem frühen Morgen ruht auch dort noch alles. Dann fällt mein Blick auf eine geöffnete Stockrosenblüte. Tief in ihrem Inneren hat es sich eine Hummel gemütlich gemacht und schläft noch tief und fest. Erst vor Kurzem habe ich gelesen, dass sich vor allem die männlichen Hummeln, die kein eigenes Nest haben, für die Nacht eine große Blüte als Schlafplatz suchen. Dort lassen sie ihre Flügel hängen und ruhen bis zum Morgen. Ist das nicht herzerwärmend? Dieses kleine, ohnehin kostbare Leben erscheint mir dadurch noch schützenswerter. Ganz vorsichtig mache ich ein Foto und ziehe mich wieder zurück, damit ihre Nachtruhe nicht gestört wird. Solche kleinen Augenblicke berühren mich jedes Mal aufs Neue. Sie zeigen mir, dass unser naturnaher Vorgarten längst nicht nur uns Freude bereitet, sondern auch vielen Tieren ein wertvoller Lebensraum geworden ist. Genau das liebe ich an diesem Beet. Es verändert sich beinahe täglich. Während sich die eine Pflanze verabschiedet, übernimmt die nächste ihren Platz. Nichts wirkt geschniegelt oder künstlich inszeniert. Stattdessen erzählt er Woche für Woche seine eigene Geschichte.


Für Anke 

Verlinkt mit :"Plausch am Gartenzaun", "Was blüht denn hier?