Sonntag, 15. Mai 2022

Stunde der Gartenvögel (oder: "Von Ästlingen, Katzen und Kastanien!")


"Guten Morgen, mein Schatz!", mein Göttergatte kommt noch schlafwarm in den Garten, "Ich habe dich schon gesucht.". Ich lächle ihn liebevoll an und entgegne: "Wo sollte ich denn sein? An einem sonnigwarmen Samstag im Mai?". Mein Göttergatte lächelt mich augenzwinkernd an: "Ich habe dich ja auch sofort gefunden! Guckst du nach etwas Bestimmten?". Ich nicke und erkläre: "Ja. Ich wollte mal nachschauen wie weit unsere Kastanien sind. Guck mal, man sieht schon die Stacheln an der Schale!". Während ich auf die noch zarten Stacheln zeige, nehme ich eine kleine, fast unscheinbare, Bewegung auf einem Ast über mir wahr. Ein kleiner Amsel-Ästling sitzt direkt über mir und versucht sich unsichtbar zu machen. Oh.. weh! Leise zeige ich nach oben und blicke dann auf unseren Kater, der wie so oft um unsere Beine schnurrt. "Wir sind nicht alleine. Kannst du den Kater bitte ins Haus bringen?!". Mein Göttergatte guckt, nickt und schnappt sich den Kater, bevor dieser etwas mitbekommt. Wenn die Gartenvögel flügge werden, haben Katzen nichts im Garten zu suchen.



Was ist ein Ästling?

Ein Ästling ist ein Jungvogel, der dabei ist die Nahrungsaufnahme selbstständig zu lernen. Er ist nun, im Gegensatz zum Nestling, in der Lage auf seinen eigenen Füßen zu stehen. Sie verlassen ihr Nest oder ihre Bruthöhle und halten sich auf Ästen auf. Dennoch brauchen sie immer noch die Unterstützung ihrer Eltern. Da sie sich noch nicht komplett selbstständig ernähren können, versorgen die Altvögel die Ästlinge mit ausreichend Futter. In dieser Phase ist der Jungvogel sehr vielen Gefahren ausgesetzt. In der Zeit, wo die Eltern auf Futtersuche gehen, ist der Ästling allein und ungeschützt. Durch seine ständigen Rufe zeigt er seinen Eltern, wo er sich gerade befindet, damit sie ihn wieder finden können. Dies lockt jedoch auch Fressfeinde an. Der Ästling muss sich also gut tarnen und in den Ästen verstecken, damit er nicht gefasst wird.


Stunde der Gartenvögel

Zum 18. Mal ruft der NABU, wie immer am zweiten Maiwochenende, zur "Stunde der Gartenvögel" auf. Das Mitmachen bei dieser vom NABU initiierten bundesweiten Langzeitstudie ist ganz einfach. Dazu braucht man einfach eine Stunde Zeit, um in den Himmel zu blicken, dabei zählt man von jeder Art die höchste Anzahl der Vögel, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen sind und meldet seine Ergebnisse bis spätestens zum 23.05.2022 >hier< online.


Unsere Zählergebnisse:

5 Mauersegler
6+ Amsel
1 Zilpzalp
2 Elstern
6 Feldsperlinge
4+ Rotkehlchen
6+ Ringeltauben
1 Heckenbraunelle
1 Blaumeise
7 Grünfinken
1 Grauschnäpper
4+ Rabenkrähen
1 Habicht
1 Pirol
Fasan (?)



NABU-App "Vogelwelt" >hier<
Meine Lieblingsapp "BirdNet" >hier<
Das + steht für ungezählten Nachwuchs.



Screenshots App: "BirdNet"



Verlinkt mit:
*Natur-Donnerstag* von Elke, *My Corner of the World* von Betty, "Frühlingsglück" von Loretta und Wolfgang,

Freitag, 13. Mai 2022

Muttertag


Die Maisonne strahlt freundlich nach einer regnerischen Nacht von einem türkisfarbenen Frühlingshimmel herunter und die Vögel im Garten zwitschern freundlich ihr Morgenlied. Unser Kater liegt träge auf dem alten Holztisch im Hof, nur seine Barthaare zucken ab und zu. Gerade eben bin ich barfuss durch den Garten gelaufen und habe noch schnell ein paar Blümchen für meinen kleinen Keramikkrug gepflückt. Hasenglöckchen, Wiesenschaumkraut, Wiesenkerbel, Giersch und spanischen Gänseblümchen zieren nun das rustikale Zinktablett. Der hübsche Gartenstrauß soll gleich unsere Kaffeetafel schmücken. Zur Kaffeezeit holt nämlich mein Göttergatte seine Eltern ab und dann beginnt ein gemütlicher Nachmittag. Mein Göttergatte hat bereits gestern für uns zur Feier des Tages seine waldmeisterliche Maitorte zubereitet und im Anschluss daran werden wir grillen. Natürlich habe ich auch schon wie in jedem Jahr die Maibowle kalt gestellt, denn solche unscheinbaren Traditionen werden von allen Familienmitgliedern geliebt. Hachz.. das wird bestimmt ein wunderbares kleines Familienfest! Schon der Morgen war herrlich, als mich meine Jungs mit Schokoladenherzen und weißen Rosen am gedeckten Frühstückstisch begrüßt haben und mir versicherten, dass sie den restlichen Tag gemeinsam mit uns verbringen werden. Das freut mein Mutterherz sehr (und das Herz der Oma natürlich auch).



Dienstag, 10. Mai 2022

Omelett mit Frühlingszwiebeln


"Guck mal, Mama!", mein Sohnemann guckt mich auffordernd an und hält zwei sehr unterschiedlich große Hühnereier hoch, "Das große Ei ist bestimmt von Gudrun und das kleine Ei von der kleinen weißen Henne. Wie heißt die eigentlich noch mal?". "Die kleine weiße Henne heißt Stine.", erwidere ich freundlich und erkläre grinsend, "Das bedeutet die Gesalbte!". "Die Gesalbte! Pfff...!", mein Jüngster grinst frech zurück und pustet sich die langen dicken Locken aus dem Gesicht, "Mama, du hast manchmal echt einen Vogel!". Ich schüttele lachend den Kopf und erkläre (wie so oft) heiter: "Nicht nur einen!".


Zutaten

  • 5 Eier 
  • 1 Schluck Milch
  • 1 Schluck Mineralwasser
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Pfeffer
  • ein Stich Butter (für die Pfanne)
  • Frühlingszwiebeln

Zubereitung

Eier in einer Schüssel aufschlagen und alle Zutaten kräftig verquirlen. Dabei schon etwas Butter in der Pfanne schmelzen lassen. Die aufgeschlagenen Eier in die Pfanne geben und kurz bei hoher Temperatur anbräunen. Erst wenn die Eiermasse Blasen wirft, die Temperatur etwas runter regeln und die, von einer Seite festen, Eiermasse wenden. Dann auf mittlerer Temperatur stocken lassen. Wer mag kann zum Schluss noch ein paar Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und darüber geben.


Donnerstag, 5. Mai 2022

Stadtbäume (oder "Die Sommerlinde")


Stadtbäume sind nicht nur ein ästhetisches Element der Stadtplanung, sie haben auch ökologische Funktionen, sind Schattenspender, Sauerstofflieferanten, Klimaanlage, Luftfilter, Lärmreduzierer und Lebensraum. Doch leider sieht das im Moment wohl die Verwaltung unserer schönen Stadt anders. Diese wunderschönen alten Linden sollen im Zuge einer Straßenbaumaßnahme auf der Heinrichstraße gefällt werden. „Die alten Bäume würden dann im Gehweg stehen und mit ihren Wurzeln hineinragen“, hieß es von Seiten der Stadt bei einer Informationsverstandlung. Pff.. sozialökologisches Umdenken geht anders!

Die Sommerlinde war im Jahre 1991 "Baum des Jahres" und das nicht ohne Grund, denn der bis zu 35 m hohe Großbaum bietet zahlreichen Tierarten einen unbezahlbaren Lebensraum und dient gleichzeitig als Nahrungsquelle. Von Gallmücken und Milben über Schmetterlingsraupen und Käfer bis hin zu Vogelarten und Wanzen finden alle hier ein Auskommen. Alleine 71 Großschmetterlingsarten sind an Linden bekannt und 13 Vogelarten ernähren sich von den Lindenfrüchten. Nicht zu reden von den vielen Insektenarten, die sich im Sommer an den Lindenblüten laben. Aufgrund der späten Blüte im Juni und der Vielzahl an Blüten bietet die Linde für Bienen die letzte ergiebige Nahrungsquelle des Jahres. Auch geschichtlich gesehen spielt die Linde eine wichtige Rolle. Bei unseren Vorfahren fanden Volks- und Gerichtsversammlungen, die "Thinge", oft unter einer Linde statt und wurde der Göttin der Liebe und der Fruchtbarkeit, Freya, geweiht. Beachtlich ist, dass die Linde ein beeindruckenden Alter von bis zu 1.000 Jahren erreichen kann und auch im hohen Alter noch eine erstaunliche Regenerationskraft besitzt. Für mich hat die Linde noch einen ganz besonders persönlichen Wert, denn meine Mutti hat ganz oft vor dem Schlafengehen gemeinsam mit mir "Kein schöner Land" gesungen. Kennt es jemand noch?


Kein schöner Land in dieser Zeit
Als hier das uns're weit und breit
Wo wir uns finden wohl
Unter Linden zur Abendzeit
Wo wir uns finden wohl
Unter Linden zur Abendzeit

(Heino)


Verlinkt:  *Natur-Donnerstag* von Elke, "Mein Freund der Baum" von Astrid

Montag, 2. Mai 2022

Heimatgeschichte(n) - Der Hochwald "Mönchsschall" (oder "Wie die Mönche nach Kamp kamen.")


Am 13. Januar 1123 schenkte der Erzbischof von Köln Friedrich I, seinem Bruder Abt Heinrich, der damals in dem französischen Zisterzienserkloster Morimond lebte, ein Stück Land, welches im nördlichen Teil des Erzbistums Köln am linken Niederrhein zu finden war, damit dieser gemeinsam mit zwölf weiteren Mönchen das erste Zisterzienserkloster im damaligen deutschsprachigen Raum gründen konnte. Zuerst entschieden sich die Zisterzienser ihre Niederlassung auf einem Feld (Camp) in einer für den Niederrhein typischen Sumpf- und Bruchlandschaft zu gründen und eine entbehrungsreiche Zeit für die Brüder des Klosters Camp begann, da das Land erst gerodet und die Sümpfe trocken gelegt werden mussten. Dennoch gelang es dem zweiten Abt, Theoderich (1137-1177) den Grundstein für den Erfolg der Zisterzienser in Deutschland zu legen. Unter seiner Führung entstanden hier bei uns am Niederrhein viele landwirtschaftliche Großbetriebe, die sogenannten Grangien. Auch der Zulauf an Mönchen war sehr groß und so wurden insgesamt 15 Tochterklöster, direkt von Camp aus, gegründet. Im Laufe der Zeit gab es über 60 Zisterzienserklöster und noch weitere 24 Zisterzienserinnenklöster in Deutschland, die der Aufsicht des Camper Abtes unterstanden. Mit dem dritten Abt Gierard wurde dann mit dem Bau der Klosteranlage, Kloster Kamp, auf einem ganz in der Nähe liegenden Hügel, dem heutigen Kamper Berg, begonnen und für die Zisterzienser begann ein auf das Strengste geregelter Tagesablauf. 

"Ora Et Labora" war der Leitspruch des Ordens und somit war der Alltag der Zisterzienser-Mönche  geprägt von einem Rhythmus aus Gebet und Arbeit, welcher durch das tägliche Stundengebet strukturiert wurde. Um zwei Uhr nachts rief die helle Klosterglocke die Mönche, die angekleidet auf Strohsäcken schliefen, zur ersten Andacht und dann drangen, nach dem Vaterunser, dem Glaubensbekenntnis und den Psalmen, die feierlichen Lobgesänge durch die Stille der Nacht. Weithin verlor sich der Schall der Männerstimmen. Bis in die Waldungen zwischen Camp (heute Kamp) und Hoerstgen vernahm man den frommen Gesang. Aus diesem Grunde, so berichtet die Überlieferung, hat auch der prächtige Hochwald westlich von Niedercamp (heute Niederkamp) bis auf den heutigen Tag den volkstümlichen Namen "Mönchsschall" erhalten. 

Über die Geschichte des Klosters habe ich bereits >hier< berichtet.
Den Segen vom Kloster Kamp findet Ihr >hier<.
Eine herbstliche Zeitreise ist >hier< zu finden.



Verlinkt: "Unser Jahresprojekt" von Andrea, *Natur-Donnerstag* von Elke

Die über 180 Jahre alten Buchen schicke ich mit einem lieben Gruß  zu  Astrid "Mein Freund der Baum". Die Buchen im Mönchsschall haben teilweise eine Höhe von über 40 Meter erreichen können und sind damit doppelt so hoch, wie in einem normalen Wirtschaftswald. Ein Spaziergang in diesem Stück Wald ähnelt einem Besuch in einer altehrwürdigen Kathedrale. Zu finden ist  der Wald übrigens unweit der Naturwaldzelle Niederkamp.