„Juni bréngk Sonn un Lücht, dat Korn kriegt Färg un Gewicht.“
Übersetzung: „Der Juni bringt Sonne und Licht, das Korn bekommt Farbe und Gewicht.“
Im Juni reifen die Getreidefelder sichtbar heran; die Halme werden schwerer, die Ähren voller. Die Tage sind lang, und die Sonne hat genug Kraft, um Wachstum und Fülle zu schenken. Die Redewendung macht deutlich, wie wichtig dieser Monat für die kommende Ernte war: Blieb die Sonne aus, fürchtete man um Brot und Futter. Gleichzeitig beginnt für die Menschen eine leichtere Zeit, in der nach der harten Frühjahrsaussaat etwas Ruhe einkehrt.
Herkunft: Mündlicher Gebrauch am Niederrhein seit dem 19. Jahrhundert.
***********************************
Willkommen zu meinem Jahreszeiten-Begleiter:
Die 12 Monate in Redewendungen vom Niederrhein
Guten Morgen, meine Lieben, in meinem neuen Blogprojekt nehme ich Euch mit auf eine ganz besondere Reise durch das Jahr und zwar mit den traditionellen Monatsreden und Sprüchen, die hier am Niederrhein in Mundart überliefert sind. Jeder Monat hat seine eigene Stimmung, seine typischen Wetterkapriolen, seine Landwirtschaftszeiten und seine festlichen Bräuche. Diese vielschichtige Verbindung von Natur, Alltag und Sprache zeigt sich wunderbar in den alten Redewendungen, die ich für Euch gesammelt, übersetzt und mit Erklärungen versehen habe. Doch bevor wir starten, möchte ich kurz etwas zur Sprache sagen: Der niederrheinische Dialekt ist eine lebendige Ausdrucksform, die über viele Generationen hinweg gepflegt wurde. Er klingt weich, melodisch und oft ein wenig "singend". Seine Wörter und Wendungen tragen Spuren des Niederländischen und Rheinischen in sich: ein spannendes Zeugnis der Grenznähe und der bewegten Geschichte unserer Region. Viele ältere Menschen hier können diesen Dialekt noch fließend sprechen, doch selbst wer ihn nicht mehr alltäglich nutzt, erkennt in ihm sofort Vertrautheit, Heimat und Wärme.
Ihr findet hier jeweils:
- Die mundartliche Redewendung des Monats, so wie sie seit dem 19. Jahrhundert mündlich überliefert wird,
- Eine genaue Übersetzung ins Hochdeutsche für vollständiges Verständnis,
- Eine Erklärung, die Herkunft und Bedeutung des Spruchs beleuchtet,
- Und natürlich die saisonale Atmosphäre, in der die Aussage ihren Ursprung hat.
Mit dieser Reihe möchte ich Euch nicht nur eine Sprache und Kultur näherbringen, sondern auch die Rhythmen und Traditionen eines Naturjahres am Niederrhein erlebbar machen. Es ist eine Einladung, die Jahreszeiten bewusster wahrzunehmen und die kleinen Zeichen der Natur zu sehen: von frostigen Januartagen über die ersten Blüten im Mai bis zum wohligen Kerzenschein im Dezember. Begleitet mich auf diesem Weg! Taucht ein in die Sprache, die Landschaft und die Jahreszeiten, spürt mit mir gemeinsam das Leben hier am Niederrhein in all seinen Facetten und lasst Euch inspirieren für eure eigene Jahreszeitengestaltung.
Van Hart’n willkamen bi mi!
Dat Niköleken
Der Dialekt... den meiner Kindheit bringe ich nicht über die Lippen, wie ich an Pfingsten wieder gemerkt habe. Ich musste mir das damals alles aus dem Herzen reißen. Kölsch kann ich allerdings auch nicht wirklich richtig, obwohl ich zwei Drittel meines Lebens hier verbracht habe ( und weitere 16 Jahre in Bonn ).
AntwortenLöschenLandwirtschaftliche Betrachtungen gehören ja auch nicht mehr zu meinem Dasein, obwohl meine Großeltern Bauern waren. Ich bin einfach eine Großstadtpflanze. Aber die Schönheit wogender Getreidefelder weiß ich zu schätzen.
Sonntagsgrüße!
Astrid
Guten Morgen, liebes Niköleken ;-)
AntwortenLöschenGrundsätzlich finde ich diese Idee sehr schön. Aber ich finde es etwas schade, dass grob geschätzt nur etwa ein Drittel deines Beitrages (einschließlich eines Fotos) auf den speziellen Monat entfällt. Der große Rest ist Monat für Monat derselbe Text. Glaube ich zumindest. Ich habe nicht alle nochmal nachgeblättert. Ein bisschen mehr niederrheinischen Lokalkolorit fände ich schön. So ist es nur der Spruch. Alles Andere gilt ja genauso auch für Hessen und die anderen Bundesländer.
Herzliche Grüße und noch einen schönen Sonntag
Elke
Oh ja, der Juni war und ist ein entscheidender Monat für die Ernte. Hier werden die Grannen schon gelb und die Halme fangen an zu Rascheln. Ich hoffe, der Regen hat vielerorts die Halme nicht niedergedrückt. Denn ich erinnere mich noch gut an meine Kindheit, wo der Juni so verregnet war, dass sogar die Körner am Halm anfingen zu keimen. Ich mag Dein Projekt ja so gern! Dialekte und Plattdeutsche Sprachen gehen so schnell verloren. (Ich glaube, ich wiederhole mich 😊)
AntwortenLöschenSchönen Sonntag noch und liebe Grüße
Nina