Während die Sonne im Osten langsam hinter der hohen Hainbuchenhecke den blassblauen Himmel erklimmt, schleiche ich, nur im Schlafanzug und einer langen Strickjacke bekleidet, in den Vorgarten. Ich möchte die Morgenstimmung nutzen und ein paar Fotos machen, solange die Welt noch schläft. Doch lange bleibe ich nicht allein. Hinter dem Rosenbusch höre ich ein vertrautes, zufriedenes Mauzen. Kurz darauf streicht unser Kater Sky um meine Beine, begrüßt mich auf seine ganz eigene Art und begleitet mich neugierig auf meinem kleinen Gartenrundgang. Während ich fotografiere, bleibt er dicht an meiner Seite. Mal streicht er schnurrend um meine Beine, mal setzt er sich einfach vor meine Füße und beobachtet aufmerksam, was ich da eigentlich treibe. Gemeinsam schlendern wir durch das Beet. Die Schafgarbe streckt ihre blütenreichen weißen Dolden den ersten Sonnenstrahlen entgegen. Ihr fein gefiedertes Laub bildet einen wunderschönen Kontrast zu den großen Blättern der Nachbarpflanzen. Noch liegt eine wohltuende Stille über dem Garten. Die Luft ist frisch und selbst die kleinen Gartenbewohner scheinen noch zu schlafen. Gleich daneben entdecke ich die zauberhaften Glöckchen des Bartfadens. Ich mag sie sehr. Sie wirken so filigran und leicht, als würden sie bei jedem Windhauch leise läuten. Zwischen dem satten Grün entdecke ich tatsächlich noch einige letzte himmelblaue Blüten des Kaukasus-Vergissmeinnichts. Sie sind wie ein kleiner Abschiedsgruß des Frühlings. Die Berg-Flockenblume hingegen hat ihren großen Auftritt bereits hinter sich. Nur eine einzige, etwas zerzauste Blüte hält tapfer die Stellung. Irgendwie rührt mich dieser kleine Nachzügler. Dafür beginnt der Wasserdost langsam seine ersten Blüten zu öffnen. Schon bald wird er wieder zahllose Hummeln und Wildbienen anlocken. Doch an diesem frühen Morgen ruht auch dort noch alles. Dann fällt mein Blick auf eine geöffnete Stockrosenblüte. Tief in ihrem Inneren hat es sich eine Hummel gemütlich gemacht und schläft noch tief und fest. Erst vor Kurzem habe ich gelesen, dass sich vor allem die männlichen Hummeln, die kein eigenes Nest haben, für die Nacht eine große Blüte als Schlafplatz suchen. Dort lassen sie ihre Flügel hängen und ruhen bis zum Morgen. Ist das nicht herzerwärmend? Dieses kleine, ohnehin kostbare Leben erscheint mir dadurch noch schützenswerter. Ganz vorsichtig mache ich ein Foto und ziehe mich wieder zurück, damit ihre Nachtruhe nicht gestört wird. Solche kleinen Augenblicke berühren mich jedes Mal aufs Neue. Sie zeigen mir, dass unser naturnaher Vorgarten längst nicht nur uns Freude bereitet, sondern auch vielen Tieren ein wertvoller Lebensraum geworden ist. Genau das liebe ich an diesem Beet. Es verändert sich beinahe täglich. Während sich die eine Pflanze verabschiedet, übernimmt die nächste ihren Platz. Nichts wirkt geschniegelt oder künstlich inszeniert. Stattdessen erzählt er Woche für Woche seine eigene Geschichte.
Verlinkt mit :"Plausch am Gartenzaun", "Was blüht denn hier?"




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