Ganz leise ist es im Wald, nur vereinzelt kann man ein paar Vögel zwitschern hören. Noch hat sich die Morgensonne nicht durch die Bäume gekämpft und Nebelschwaden wabern über den Boden. Kalt ist es. Bei jedem Schritt rascheln die angefrorenen Blätter und unser Atem wird in kleinen Wölkchen davongetragen. Mein Kleiner trägt unseren Korb mit den Geschenken für die Tiere im Wald. "Mama? Haben wir auch an alle gedacht?!", mein Kleiner schaut fragend zu mir hoch. Ich nicke und mein Göttergatte ermahnt: "Wir müssen leise sein, letztes Mal habe ich hier Rehe gesehen!". Mein Kleiner und ich nicken. Ganz leise zählt mein Kleiner noch einmal auf: "Äpfel für die Rehe,
Erdnüsse für die Eichhörnchen und für die
Vögelchen die kleinen Anhänger.". Kaum sind wir auf der Anhöhe wird mein Kleiner schneller. "Wie weit ist es noch, Mama?", mein Kleiner wird ungeduldig. "Noch fünf Buchen dann sind wir da.", antworte ich leise und lege meinen Finger auf die Lippen. Mein Kleiner erwidert die Geste. Dann sind wir da. Vor uns steht eine kleine, krüppelige Kiefer, die sich ihren Standort sehr unglücklich gewählt hat. Direkt am Stamm einer Buche steht sie und nicht mehr lange dann muss sie ihr Wachstum einstellen. "Ist er das?", mein Kleiner stellt sein Körbchen ab. Ich nicke. "Du armes kleines Bäumchen! Wir haben dir etwas zum Schmücken mitgebracht, dann wirst du wenigsten einmal alle Tiere hier aus dem Wald sehen!". Mein Kleiner greift in unser Körbchen und fängt behutsam an die kleine Kiefer zu schmücken. Zuerst kommen alle Anhänger für die Vögel an den Baum, dann die Äpfel und zum Schluss die Erdnusskette. Auch wenn die Kette von den Meisen verschmäht wird, haben die Eichhörnchen ihre Freude daran. Meinem Kleinen wird weihnachtlich zu Mute und hell erklingt seine Stimme durch den Wald: "Wir wünschen Euch frohe Weihnacht, wir wünschen Euch frohe Weihnacht..!". Leise stimme ich mit ein. "So. Fertig.", mein Kleiner tritt einen Schritt nach hinten und begutachtet sein Werk. Zwei Montainbiker kreuzen den Weg und rufen uns laut ein "Guten Morgen!" zu. "Schön, ist es geworden!", sage ich lächelnd zu meinem Kleinen und lege meine Hand auf seine Schulter, "Aber es fehlt noch etwas." "Was denn?"; mein Kleiner blickt mich fragend an. Vorsichtig greife ich in meine Jackentasche und hole eine kleine, rote Kerze hervor, "Es ist doch Advent!". Mein Kleiner grinst mich an und nimmt mir die Kerze ab. Vorsichtig klemmt er den silbrigen Kerzenständer ans Bäumchen fest und ich entzünde die Kerze. Währenddessen stimmt mein Kleiner ein weiteres Lied an. "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.". Für einen Moment stehen wir still und betrachten das Nadelbäumchen. "So, nun lass uns nach Hause gehen, damit die Tiere sich auch trauen an die guten Gaben zu gehen!", fordere ich meinen Kleinen auf. Noch bevor wir gehen löscht mein Kleiner die Kerze und ich lege sie in unseren nun leeren Korb. "Einen schönen Advent und frohe Weihnachten!", ruft mein Kleiner in den Wald und nach einem kurzen Blick über die Schulter wandern wir Hand in Hand wieder nach Hause.
Ich wünsche Euch einen gesegneten vierten Advent!
Noch mehr Sonntagsfreuden gibt es bei Maria!
Übrigens: wenn Ihr Euch wundert, wo denn da mein Göttergatte geblieben ist.. der musste mit unserem Derwisch weiter durch den Wald laufen.. Ihr wisst schon, ein Hund braucht Bewegung!!