Dienstag, 14. Juli 2026

Wo der Sommer nach Korn duftet

Noch ist es keine zehn Uhr, doch schon jetzt flimmert die Luft über den weiten Feldern des Dachsbruchs. Hand in Hand gehen mein Göttergatte und ich den vertrauten Feldweg entlang, während Julie ein paar Schritte vor uns neugierig von Duftspur zu Duftspur schnüffelt. Kein Wölkchen zeigt sich am tiefblauen Himmel und die Sonne brennt bereits unerbittlich auf den Niederrhein herab. Es verspricht einer jener Sommertage zu werden, an denen selbst der Schatten kaum noch Abkühlung schenkt. Links und rechts begleiten uns weizenblonde Getreidefelder. Die schweren Ähren neigen sich sanft im kaum spürbaren Morgenwind. Gleich daneben hat die Ernte bereits begonnen. Lockere Schnittschwaden liegen auf den Stoppelfeldern und hier und da ruhen große Rundballen in der prallen Julisonne. Alles wirkt still und beinahe schläfrig, als würde die Landschaft ihre Kräfte für die Hitze des Tages sammeln. Der Feldweg unter unseren Füßen ist längst versandet. Jeder Schritt wirbelt feinen Staub auf, der sich wie ein heller Schleier wieder über den Boden legt. Kein Regentropfen hat ihn seit Tagen gebunden. Der warme Duft nach reifem Korn liegt schwer in der Luft. Für mich riecht der Hochsommer am linken Niederrhein genau so. Unwillkürlich kneife ich die Augen gegen die Sonne etwas zusammen und streiche mir eine lockige Haarsträhne aus dem Gesicht. Im Vorbeigehen streife ich eine der schweren Ähren. Ein paar reife Körner lösen sich und fallen lautlos zwischen die trockenen Halme. Mich berührt dieser ewige Kreislauf des Lebens jedes Jahr aufs Neue. Nichts bleibt, wie es ist, und gerade darin liegt eine tröstliche Beständigkeit. In der Ferne laufen Hasen über die Stoppelfelder und knapp darüber ziehen rufend ein paar Mehlschwalben ihre Kreise. Es ist einer dieser Morgen, an denen man schon früh ahnt, dass der Tag glühend heiß werden wird. Erst weit hinten am Horizont schieben sich langsam ein paar Wolken zusammen. Ein zartes Lüftchen streicht über die Felder und bringt die biegsamen Ähren zum Tanzen. Mein Göttergatte lächelt mich an und auch Julie hebt kurz den Kopf in den Wind. Vielleicht bringen die Wolken ein paar Tropfen Regen. Vielleicht ziehen sie aber auch einfach nur vorbei. Wir gehen schweigend weiter und genießen diesen stillen Sommermorgen, bevor die Hitze den Niederrhein wieder fest in ihren Händen hält.



5 Kommentare:

  1. Als wären wir mitgelaufen, liebe Nicole. Ich konnte den Niederrhein spüren. Liebe Grüße aus der Nachbarschaft, Beate.

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  2. Guten Morgen liebe Nicole,
    oh ja, genau so liebe ich den Niederrhein. Als Sommerkind kann ich vom Anblick der Getreidefelder nicht genug bekommen.
    Danke dir für den Spaziergang.
    Liebe Grüße und einen schönen Sommertag.
    Tina

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  3. Moin liebe Nicole,
    ich mag diese Morgenstimmung, bin selber sehr oft früh am Morgen an unserem Elbe-Lübeck-Kanal unterwegs und genieße diese Ruhe und beobachte die Tiere.
    Bei uns sieht es auf den Felder genauso aus und der Bauern ist fleißig am Ernten.
    Heute ganz in der Früh war ein kurzes Gewitter zu hören und danach hat es ein bisschen geregnet. Jetzt sind die Temperaturen bei 18° recht angenehm.
    Liebe Grüße
    Birgit

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  4. Oh, wie schön Du es beschreibst! Ja, dass ist genau die Stimmung! Dieser besondere, staubige Geruch, leichter Wind, blauer Himmel in dem vielleicht Vögel kreisen, auf der Suche nach Nahrung auf den Stoppelfeldern...wie ein leichtes Innehalten.
    Hier soll es Gewitter heute Nachmittag geben. Ich hoffe sehr und gleichzeitig auch, dass es keine Unwetter gibt.
    Denn heute ist es schwühl und Wolken ziehen sich schon zusammen.
    Mit lieben Grüßen und wünsche gute Woche
    Nina

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  5. Genauso ging es mir heute Morgen beim Spaziergang:))) Herzlichst Kirsten💜

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♥ Danke, dass Du Dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst ♥

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