Während draußen die Sonne ungesehen untergeht und ein kalter Wind um's Haus fegt sitzen mein Göttergatte und ich warm im heimeligen Wohnzimmer. Der Ofen bollert vor sich hin und das leise Schnarchen unserer hübschen Hündin Julie ist zu hören. Eine Schar Kraniche fliegt laut rufend über unser Haus und die losen Ranken des herbstbunten Wilden Weines klopfen immer wieder an unsere Fenster. Heute ist es noch nicht wirklich hell geworden und es scheint als ob die dunkelgraue Wolkendecke die Sonne verschluckt hätte. Umso schöner ist der Anblick des flackernden Schmelzfeuer-Windglases, es verbreitet zu dem bollernden Ofen noch eine ganz kuschelige Gemütlichkeit. Der Wasserkessel pfeift und ich stehe auf um uns einen Kräuter-Tee mit Kamille, Zitronenmelisse und Lavendel aufzubrühen. Süße Träume soll der Tee bringen und das kann ich im Moment gut gebrauchen. Die Zeiten sind nicht wirklich erfreulich. Schnell stelle ich die dampfende Teekanne auf mein altes Tablett und gehe zurück ins Wohnzimmer. Mein Göttergatte steht vor unserem Weichholz-Buffet und ich beobachte lächelnd wie er nach seinem kleinen Whisky-Glas greift. Es ist ein Nosing-Glas, wie ich mittlerweile weiß, und eignet sich mit seiner Tulpenform besonders gut um feine Single Malts zu verköstigen. "Möchtest du auch einen Whisky?", mein Göttergatte sieht mich fragend an. Wie immer verneine ich sein Angebot dankend, denn seine Liebe zum Whisky teile ich nicht. "Welchen Whisky hast du dir denn zur Feier des Tages ausgesucht?", fragend blicke ich meinen Göttergatten an, der endlich Urlaub hat und siehe zu wie er sich die goldene Flüssigkeit einschenkt. "Einen schottischen Whisky.", erklärt mir mein Göttergatte und schwenkt das Whisky-Glas sacht, um dann seine kräftige Nase in die enge Glasöffnung zu stecken, "Er hat einen sehr torfigen Geschmack. Magst du mal riechen?". Ich nicke und stecke meine Nase ebenfalls in das mir hingehaltene Glas. Ein warmer, etwas scharfer Whiskygeruch schlägt mir entgegen. "Ich mag ihn gerne!", vertraut mir mein Göttergatte an und nimmt einen kleinen Schluck. Während ich vorsichtig meinen heißen Tee trinke, lausche ich den Ausführungen meines Mannes und blicke verträumt in das romantisch flackernde Licht unseres hübschen Indoor-Schmelzfeuer. So kann der Urlaub zu Hause beginnen.
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