Sonntag, 19. September 2021

Glück auf!


Wir stehen am Straßenrand der gewachsenen Friedrich-Heinrich-Allee gegenüber der altehrwürdigen Backsteingebäude des Pütts Friedrich-Heinrich in unserer Heimatstadt Kamp-Lintfort. Die ältesten Zechengebäude (Markscheiderei, die Maschinenhalle, Grubenwehrgebäude, Tagesbetriebsgebäude, Magazingebäude, Fördermaschinenhaus, Lohnhalle mit einem Teil der Schwarzkaue, alte Schlosserei und Lüftergebäude) wurden 1909 erbaut und haben seitdem Wind, Wetter und sogar zwei Weltkriegen getrotzt. Die Septembersonne scheint von einem fast wolkenlosen Himmel und die großen, noch belaubten, Allee-Platanen spenden uns ausreichend Schatten. Wir warten auf die angekündigte Bergmann-Parade. Über 400 Mitglieder von Berg- und Knappenvereinen aus ganz Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden wollen hier bei uns auf dem ehemaligen Zechengelände (der Standort ist durch den Förderturm, der als Aussichtsplattform mit Führung begehbar ist, weithin sichtbar) ihre 48. Landeskirchweih feiern und das wollen wir uns auf gar keinen Fall entgehen lassen. Schon von weitem hört man die Pauken und Trompeten und dann ziehen auch schon die ersten Kumpel an uns vorüber. "Glück auf!", schalt es von einigen Seite und auch ich antworte nur zu gerne auf diesen alten Bergmannsgruß. Mir wird warm ums Herz. Heimatliche Verbundenheit gepaart mit den schönsten Kindheitserinnerungen lassen mich leise seufzen. Als dann eine Kapelle das "Steigerlied" anstimmt muss ich angerührt einige Tränchen wegblinzeln. In Gedanken sehe ich meinen Papa, meinen Opa, meinen Onkel Horst und andere liebe Freunde und Verwandte mitziehen, sie alle waren zu Lebzeiten Untertage beschäftigt und haben mich, meine Kindheit und meine Jugendzeit mit ihrer Loyalität, ihrem Zusammenhalt, ihrem Stolz, ihrem Respekt (gegenüber aller Couleur) und ihrer Ehrlichkeit geprägt.


Steigerlied

1) Glückauf, Glückauf!
Der Steiger kommt und er hat sein helles Licht bei der Nacht,
und er hat sein helles Licht bei der Nacht, schon angezünd't, schon angezünd't.

2) Hat's angezündt!
Es gibt ein Schein. Und damit so fahren wir bei der Nacht
 und damit so fahren wir bei der Nacht, ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.


9 Kommentare:

  1. Das ist bestimmt ein enormer Zusammenhalt! Muß man sich doch auch auf den Kumpel verlassen können.
    In Berlin ist man immer nur Nutznießer gewesen.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Glück auf Nicole,
    ein schöner Bericht und danka auch für die Erinnerung. Ich habe eine Bekannte in Lengede. Wer denkt heute noch daran? Sie hat 1963 ihren Großvater bei dem Grubenunglück verloren. Auch ihr Vater war Bergmann und sie wohnen auch in so einem netten Haus mit Garten in Lengede.
    Unter den Bergleuten gab es einen enormen Zusammenhalt, aber es war auch anders. Aber in vielen Situation hielt man dann doch zusammen.
    Aber vieles ist eben auch menschlich.

    Ich denke auch immer wieder an Kurt Biedenkopf, ein herausragender Politiker und Ministerpräsident Sachsens. Ich habe, ihn vor Jahren auf einem Besuch in Drsden bei einer Wahlveranstaltung sprechen hören und bin heute noch beeindruckt.

    Als er damals auf die Bühne kam, wurde auch das Steigerlied gesungen.
    Ich denke immer noch daran. Der Steiger wurde er auch genannt, er hat sein Licht in der Nacht angezündet.
    Dieses Lied sende auch Zuversicht.
    Hab einen schönen Tag und liebe Grüße Eva


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    1. Ich wurde auch daran erinnert, als Kurt Biedenkopf im August 2021 gestorben ist.
      Glück auf, der Steiger kommt.

      Liebe Grüße Eva

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    2. Stell Dir vor, liebe Eva, obwohl das Unglück von Lengede lange vor meiner Zeit geschehen ist, weiß ich davon. Als Kind eines Bergmannes wächst man mit solchen "Geschichten" (verzeih meine Wortwahl) auf. Damals verloren 40 Kumpel ihr Leben, nicht wahr?! Nur drei Jahre später (1966) verloren auch hier in Kamp-Lintfort 16 Bergleute in der Schachtanlage Rossenray ihre Leben. Eine gewaltige Schlagwetterexplosion war die Ursache. Erst vor ein paar Tagen stand ich noch auf unserem Friedhof vor dem aufgerichteten Gedenkstein. Was für eine schrecklicher Unfall! Glück auf, liebe Eva. Hab' Dank für Deine Erinnerungen. Herzlichst, Nicole (die auch in einem kleinen Zechenhäuschen mit Garten groß geworden ist)

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  3. Das Steigerlied wurde jedes Jahr an St. Martin bei uns im Braunkohlerevier gespielt.
    Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich es höre, das war immer so schön mit all den Laternen und Weckemännern in der Hand.
    Und als wir im Juli im Bergbaumuseum waren, war ich schwer beeindruckt von der Arbeit unter Tage.
    Dir einen schönen Abend, lieben Gruß
    Nicole

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  4. Liebe Nicole,
    keiner meiner Verwandten war untertage. Ich bin aber in NRW geboren und habe dort meine Kindhiet verbracht. Einige Verwandte wohnten im "Pott" und mehrere umzu. Einer meiner Onkel hatte eine Kneipe in Bochum. Der Anblick von Zechen ist mir aus meiner Kinkheit bekannt, wenn wir Verwandte besuchten. Ich kann Deine Gefühle nicht genau, aber annähernd nachvollziehen.
    Glück auf!
    Alke
    Glück auf

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  5. Glückauf!
    Glückauf!
    LG, Karin

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  6. Meines Mannes Grossvater war auch in Bochum im Bergwerk beschäftigt und deswegen steht auch hier die heilige Barbara von seinen Großeltern in der Vitrine.
    Zusammenhalt in einem schweren Beruf, der unter Tage alle gleich machte/macht (und damit über Tage)
    Danke Dir für s Mitnehmen und liebe Grüße
    Nina

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♥ Danke, dass Du Dir für ein paar liebe Worte Zeit nimmst ♥

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