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Freitag, 13. September 2013

Massaker

Angestrengt höre ich nach draußen. Es ist sechs Uhr morgens. Nein, ich höre nur den großen Hahn vom Nachbarn. Ein flaues Gefühl regt sich in mir. Ich mag nicht mehr. Gestern Nachmittag in einer Regenpause, wollte ich schnell noch ein paar Eier aus dem Hühnerhaus holen, da sah ich es auch schon. Der ganze Garten voller Feder (und das sind nicht wenige, denn unser Garten ist echt groß). "Oh, nein! Die Hühner!", schießt es mir durch Kopf und bemerke erst jetzt, dass kein Einziges gekommen war, um ein Leckerlie von mir zu erhaschen. Hektisch schaue ich mich um. Dann sehe ich Hanni beklommen im Rhododendron sitzen. "Wo sind die anderen Hühner?", jetzt bin ich verzweifelt. Aufmerksam betrachte ich meine Umgebung und rufe leise meinen Lockruf: "Kommt, Koommt, Koommt!" Da kommen ganz zaghaft aus dem Wäldchen meine vier Jungtiere herausgeschlichen. Vorsichtig beäugen sie die Gegend. Langsam gehe ich ihnen entgegen. Ich möchte sie ja nicht noch mehr verschrecken. Ich komme an einem Teppich voller silbergrauer/weißer Federn vorbei. Das muss Nanni gewesen sein, bei der Menge an Federn, werde ich sie wohl nicht mehr lebend finden. Den Jungtieren geht es gut. Dicht gedrängt stehen sie beieinander. Fridolin, Berta und Nanni sind weg. Ich bin verzweifelt. In der Hoffnung, dass es doch noch ein Huhn geschafft hat, gehe ich zum Hühnerhaus. Behutsam mache ich die Tür auf, und tatsächlich da sitzt er: Fridolin! Keine einzige Schwanzfeder ist an seinem Hinterteil mehr zu sehen. Er sitzt in der hintersten Ecke und zittert am ganzen Körper. Sein Sterz ist nackt und blutig. Mir kommen die Tränen. Gehetzt blickt er mich an. Schnell mach ich die Tür zu, um ihn nicht noch mehr zu verschrecken. Mein Großer und sein Kumpel kommen in den Garten. Fassungslos sehen sie auf die Federn. "Mama, wer war das?", mein Großer schaut mich entsetzt mit großen Augen an. "Ich weiß es nicht, Schatz!", ich schlage mir die Hände vor mein Gesicht und weine: "Es fehlen noch Berta und Nanni!" Mit knappen Worten gebe ich den Jungen einen kleinen Überblick. "Mama, sei mal still. Ich höre da was!", mein Großer legt den Finger auf den Mund und zeigt mit der anderen Hand auf den Hühnerstall: "Da unten!" Der Kumpel meines Großen beugt sich runter und späht unter das Häuschen: "Ja, da sitzt ein Huhn!". Es ist Berta, sie lebt. Aber so zerfleddert, federlos und blutig wie sie ausschaut, wird sie die Nacht nicht überleben. Und heraus bekommen wir sie auch nicht. So weit reichen meine Arme nicht. Jetzt fehlt nur noch Nanni, doch sie wird wohl nicht mehr da sein.

Kommentare:

  1. Stimmt.. ich weiß auch nicht, was ich noch machen soll. Anscheinend sind mir die Viecherl nicht gegönnt.. heul!

    Schön, dass Du wieder dabei bist ;) grins

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