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Dienstag, 15. Oktober 2013

Verwaschnes, wie an einer Kinderschürze



Es nieselt. Draußen ist es nass und kalt. Feuchtes Herbstwetter liegt in der Luft. Ich stehe am Fenster und weiß nicht so recht, was ich heute mit mir anfangen soll. Ein Pettersson-Tag, wie er im Buche steht. Der Regen wird allmählich weniger und ich gehe kurzentschlossen in den Garten. Fast alle Sommerblumen sind verblüht und vieles wartet darauf entsorgt zu werden, aber heute ist mir nicht danach. Ich komme an meinen Hortensien-Busch vorbei und muss, trotz meines Trübsinnes, lächeln. Dieses Jahr haben meine Hortensien eine hellrosa Färbung angenommen, hellrosa mit dunkleren Tupfen. Ich hole meine Gartenschere aus dem Schuppen und schneide mir eine Rispe ab (obwohl ich ungerne Blumen aus meinem Garten nehme). Ein wenig Fetthenne und Efeu dazu gesteckt und meine Laune bessert sich leise. Ich schaue mir mein Sträußchen an, seine Filigranität berührt mich. Der Regen nimmt zu, aber das stört mich nicht. Ich trage mein hübsches Sträußchen behutsam ins Haus und erfreue mich an den zarten Blüten, deren Farben schon langsam verblassen. Mir fällt das Gedicht "Blaue Hortensie" von Rainer Maria Rilke ein und leise, nur für mich, rezitiere ich seine Worte: "Verwaschnes wie an einer Kinderschürze, Nichtmehrgetragnes, dem nichts mehr geschieht: wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze."

Kommentare:

  1. Wirklich ein hübsches Sträußchen, so einen "Gute Laune" Bringer braucht es auch bei diesem Schmuddelwetter

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  2. Ja, nicht wahr?! So ein Herbstwetter braucht doch kein Mensch...

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