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Montag, 15. Juli 2013

Badetag

"Was hast du denn vor?", frage ich erstaunt meinen Göttergatten. Er trägt, obwohl es Sonntag ist, seine Arbeitssachen. "Ich reinige den Brunnen. Durch die Sonneneinstrahlung sind die Algen explodiert!", erklärt er mir im Vorübergehen. Ich folge ihm neugierig. "Iiihh! Was für ein Glibber!", ich verziehe das Gesicht. Beherzt greift mein Göttergatte in den Brunnen und befreit ihn nach und nach von den Fadenalgen. Einfach ist es nicht, denn die Algen halten sich gekonnt am Stein fest. Ich lasse meinen Göttergatte alleine weiterprusseln und erst als ich die Gartenpumpe höre, komme ich wieder hinzu. Mein Göttergatte hat ganze Arbeit geleistet und der Brunnen ist fast Algen frei. Jetzt füllt er den Brunnen gerade mit frischem Wasser. Ein Paar Rotkehlchen betrachten die Sache schon vom Gartenzaun aus. Mein Göttergatte ist fertig und wir setzen uns auf die Holz-Hollywood-Schaukel, die gegenüber dem Brunnen steht. Stille umgibt uns und amüsiert betrachten wir uns das nun folgende Geschehen: Das Rotkehlchen-Weibchen ist der erste Vogel, der den Brunnen für sich in Anspruch nimmt. Quirlig wie es ist, planscht es, ohne links und rechts zu gucken, im niedrigen Wasser. Das Männchen folgt, nachdem es vorher noch ein Sandbad genommen hat. Eine kleine Meise kommt vorbei und beäugt den Brunnen ganz genau. Immer wieder hüpft sie, mit schräg gelegten Köpfchen, auf den beiden Ebenen hin und her. Wußtet Ihr das Meisen rückwärts fliegen können?! Nach kurzer Überlegung fliegt die Meise davon. Ein Zeisig landet in der Birke hinter dem Brunnen und sofort als das Rotkehlchen weg fliegt, sitzt er im flachen Wasser und schüttelt sein Federkleid im Wasser aus. Ein weiterer Zeisig folgt. Die kleine Meise hat wohl nur Verstärkung geholt, denn auf einmal sitzen fünf Meisen rund um den Brunnen. Ein Vogel nach dem Anderen planscht im frischen Wasser. So sehr, dass die Wassertröpfchen nur so sprühen. Meine Hühner kommen vorbei und Berta hüpft auf den Brunnen, um einen kleinen Schluck zu trinken. Ein Finken-Päarchen wartet bis Berta getrunken hat und hüpft in das kühle Nass. Mein Göttergatte und ich grinsen uns an. "Hättest du gedacht, dass wir beide mal auf einer Hollywood-Schaukel sitzen und Vögel beobachten?!", frage ich erheitert meinen Göttergatten und vor meinem inneren Auge sehe ich uns noch auf seinem Motorrad sitzen. Der piekst mich in die Seite, so dass ich quitsche und fragt: "Du meinst, wie Oma und Opa?", und schüttelt lachend den Kopf. Ein Blick auf den Brunnen sagt uns, dass wir jetzt wohl zu laut waren, denn es ist kein Vögelchen mehr zu sehen. "So!", sage ich und stehe auf. "So!", sagt mein Göttergatte auch aufstehend, "Kaffee?!" Ich nicke, und Hand in Hand schlendern wir zum Haus zurück, den lärmenden Kinderstimmen entgegen.

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