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Freitag, 4. April 2014

Hinkebeinchen

"Ich mache mir Sorgen!", stirnrunzelnd blicke ich meinen freundlichen Keine-Hühner-Mehr-Nachbarn an. "Was ist denn los?!", hilfsbereit wie immer schaut er mich auffordernd an. "Mittlerweile glucken alle Hühner! Die sind schier verrückt. Alle Vier hocken in der kleinen Holzkiste. Das ist viel zu eng.", ich hole seufzend Luft, "Ich möchte das Huhn das am längsten gluckt in den Quarantänestall stecken. Aber nicht mit allen Eiern. Was soll ich tun?!". "Hast du den Stall schon fertig? Stroh, Futter usw.?", mein freundlicher Keine-Hühner-Mehr-Nachbar sieht mich fragend an. "Nein.", gebe ich zu. "Dann mach das. Morgen früh komme ich rüber und wir beide sortieren mit der Taschenlampe die befruchteten Eier aus. Die Eier, die okay sind, packen wir dann mit der Glucke in den Quarantänestall! Die anderen drei Hühner tauchen wir mit den Hintern in kaltes Wasser, dann hören sie auf zu glucken, du wirst schon sehen. Einverstanden?". Ich nicke glücklich, denn den Trick mit der Taschenlampe kann ich nicht. Kurz drauf kommt mein Göttergatte nach Hause, gemeinsam schlendern wir durch den Garten. "Sei mal eben still!", ich horche aufmerksam in Richtung Hühnerstall. "Ja, ich höre es auch!", erklärt mein Göttergatte. Und dann überschlagen sich die Ereignisse, ein gerade frischgeschlüpftes Küken piepst hilfesuchend im Stall. "Ach, du meine Güte!", rufe ich aus, erteile nur noch Anweisungen und flitze selbst hin und her. In Null Komma nix ist der Quarantänestall hergerichtet und zwei ganz zarte schwarze Küken sitzen geschwächt im Stroh. Ein Küken hatte sein Beinchen im Dielenboden des Hühnerstalles verharkt und ist nun sehr erschöpft. Das andere Küken war hinter die kleine Holzkiste gerutscht und es schien, als ob sich kein einziges Huhn für die kleinen Küken zuständig gefühlt hatte. "Ihr dummen Viecher!", schimpfe ich empört, "Da hockt ihr nun schon zu viert in der Kiste und keiner kümmert sich um die armen Würmer!". Nachdem wir einfach alle restlichen Eier auch noch ins Nest gelegt haben, holt mein Göttergatte eine Glucke rüber. Es ist Hanni, das silberweiße Chabohuhn. Vorsichtig setzt er sie neben die beiden kleinen Küken. Traurig blicke ich meinen Gatten an: "Ich glaube, das Hinkebeinchen schafft es nicht.". "Dann ist das eben so! Die Natur regelt das schon.", mein Göttergatte versucht gelassen zu klingen, aber ein Blick in sein Gesicht sagt etwas anderes. Abends schaue ich nochmal bei den Hühnern vorbei, alles ist still und schläft. Mein Blick fällt auf die kleine Holzkiste, in der die drei übrig gebliebenen Hühner sitzen. "Ach, wie blöd!", rufe ich meinem Göttergatten zu, "Jetzt haben wir das falsche Huhn auf das Nest gesetzt. Trine, das schwarze Huhn, war doch die Hauptglucke." Oh, man! Was für eine Aufregung!

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