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Donnerstag, 21. März 2024

Frühlingslicht


Während langsam die Sonne rosafarben den sanft türkisfarbenen Frühlingshimmel erklimmt, schreiten mein Göttergatte und ich zügig aus. Unsere hübsche Hündin Julie ist wie immer an unserer Seite und bleibt nur stehen, wenn ein Mäuschen ein für uns unhörbares Geräusch macht. In den Ästen der knorrigen Kopfweiden singt eine Amsel ihr frühes Morgenlied und Stare, Rotkehlchen und Buchfinken begleiten sie dabei. Meisen aller Art fliegen lustig von einem Baum zum anderen und dann und wann ist das hohle Gurren mehrerer Türkentaube zu hören, die fleißig ihr Nest bauen. Während wir an gepflegten Kopfweiden, kräftig grünen Feuchtwiesen und fast überfüllten Wasserläufen vorbeikommen, wird die Luft langsam wärmer. An die zwanzig Grad sollen es heute werden, doch das merkt man an diesem fast noch winterlichen Morgen nicht. Die wohlige Wärme des Frühling erreicht hier bei uns am Niederrhein erst am Nachmittag ihren Höhepunkt. In der Ferne, mitten auf dem Feld, schlagen Hasen liebestoll ihre Haken. Ein Schauspiel, das uns immer wieder lächelnd inne halten lässt. Doch weiter geht es durch die frühlingshafte niederrheinische Landschaft. Das zarte Grün sprießt überall und auch das Scharbockskraut macht sich langsam auf den Weg die Feldraine mit seinen hübschen gelben Blüten zu schmücken. Auf einer alten, fast vergessenen Obstwiese stehen noch ungeschorene Schafe, über deren wolligen Köpfen kleine Atemwölckchen tanzen. Ihr dumpfes Blöcken und ihr deutlich hörbares Rupfen des saftig grünen Grases gesellt sich nun zu den eifrigen Vogelstimmen. Hachz.. das ist ein Frühlingsmorgen wie wir ihn gerne mögen!


Verlinkt mit: "Frühlingsglück" von Loretta und Wolfgang, *Natur-Donnerstag* von Elke, "Mein Freund der Baum" von Astrid, "Monatsspaziergang" von Kristina

Sonntag, 2. April 2023

Kleine Frühlingsrunde (oder "Frisch geschnittene Kopfweiden")



Die letzten Tage waren grau und von den schweren Regengüssen gut gewässert, schmatzen heute die Wiesen und Weiden bei jedem Schritt. Die Luft riecht frischgereinigt und die fast warme Frühlingssonne lässt von leichten Baumwollkleidern, duftendem Kamille und trägen Sommertagen träumen. Ein wenig trostlos stehen die frisch geschnittenen Kopfweiden am Rande des Hoerstgener Kendel, einer verlandeten Altstromrinne des prähistorischen Ur-Rheines, da und muten wie stumme Riesen aus einer längst vergessenen Zeit an. Unsere hübsche Hündin Julie läuft aufgeregt vor mir her, denn eine kleine Gruppe junger Nutrias hat bereits einen schmalen Pfad zwischen zwei saftig grünen Abschnitten festgetreten. Auch heute kann man in der Ferne die luftholende Nagernase im fast klaren Wasser deutlich erkennen, denn immer wieder sieht man im Wasser des Kendels feine Bläschen aufsteigen und verraten die Anwesenheit der Biberratte. Der fast wolkenlose Himmel spiegelt sich blau im kühlen Wasser des Kendels und ich schicke in Gedanken einen Dank an Mutter Natur. Die vergangenen Regentage waren so wichtig für unsere niederrheinische Landschaft mit ihrer wunderschönen Flora und Fauna.


Auch wenn die gerade frisch geschnitten Kopfweiden karg und unwirtlich erscheinen, dienen die Kopfweiden als Lebensraum zahlreicher Tierarten, vor allem die in ihrem Bestand bedrohten Fledermäuse und Eulen. Diese Tiere finden in den häufig hohlen Stämmen älterer Weiden Unterschlupf und Nistgelegenheit. Doch vor allem für die bedrohte Insektenwelt ist die Weide interessant: Über 400 Insektenarten ernähren sich von den Blättern und Blüten. Kein anderer Baum beherbergt eine solch große Zahl. Die attraktiven männlichen Blütenkätzchen bieten Nektar und Pollen für 60 Wildbienenarten. Über 160 Tag- und Nachtfalterarten finden auf Weiden ihre Nahrung, entweder als blätterfressende Raupe oder als blütenbesuchender Schmetterling. Fast 100 Käferarten haben in alten Weiden ihren Lebensraum. Deshalb setzen sich Naturschutzorganisationen, wie zum Beispiel der NABU, für den Erhalt der Kopfweiden ein. Das bedeutet für die meist ehrenamtlichen Helfer viel Arbeit, denn die Kopfweiden müssen zur Pflege regelmäßig geschnitten werden, um sie auch vor Windbruch zu schützen. Das "Auf-Kopf-setzen" geschieht übrigens immer abwechselnd und nicht in jedem Jahr, so dass es für die Tiere immer eine Möglichkeit gibt, die Weide in ihrer Gänze zu nutzen. Das konnten wir auch gut in den letzten Jahren beobachten. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an den ersten Abschnitt des Hoerstgener Kendels? Dort wurden auch im letzten Frühjahr die Kopfweiden (allerdings von der Lineg) geschnitten und trieben kurz drauf wieder aus.


Euch einen gesegneten Palmsonntag!
Herzlichst, Nicole



Mittwoch, 21. Dezember 2022

Ein Schneemoment


Die vergangenen Nächte waren eisig und haben den linken Niederrhein in ein Wintermärchen verwandelt. Jeder Schritt lässt die gefrorenen Halme und die zugefrorenen Pfützen der fast vergessenen Feldwege knirschen und sogar das sonst fröhliche Plätschern des Hoerstgener Kendel ist durch eine feste Eisdecke zum Stillstand gekommen. Heute ist ein Wintertag wie ich ihn gerne mag und auch Julie, unsere hübsche Hündin, scheint den frühen, wenn auch kalten, Wintermorgen zu genießen. Kleine Atemwölkchen tanzen über ihrer bereits grauen Schnauze und lassen ihre treuen Hundeaugen aufblitzen. Neun Jahre ist sie nun schon und dennoch tobt sie wie ein junger Hund durch die winterliche Wiesen und Felder. Dann und wann bleibt sie abrupt stehen um dann vergebens mit einer kleinen Hüpferung ein Mäuschen zu erhaschen. Die gefrorenen, sonst glasigen, orangenen Beeren des gewöhnlichen Schneeballes am Ufer des gefrorenen kleinen Baches haben zwar durch die Käte ihre pralle Form verloren, doch sind die hübschen Dompfaffen anscheinend froh darüber, dass sie nach dem harten Wintereinbruch noch ihre Bäuche füllen können. Immer wieder fliegen sie aus ihrem sicheren Versteck in den heimischen Kopfweiden los, um eine Beere des sonst giftigen Gehölzes zu erhaschen. Für einen Moment genieße ich diesen Anblick, doch schon bald ist mir das Innehalten zu kalt. Ich ziehe meinen kuscheligen Wollschal enger um den Hals und blicke in den schweren, grauen Himmel der die niederrheinische Landschaft zum Winterschlaf zugedeckt hat. Doch was ist das? Wie Federn, aus einer gut ausgeschüttelten Bettdecke, fallen sanft dicke feuchte Schneeflocken auf den harschigen Boden und lassen mich im Laufen dankbar innehalten. Hachz.. schöner kann es im Advent nicht mehr werden.


P.S. Die Aufnahmen sind fünf Tage alt. Im Moment liegen die Tagetemperaturen um 12 Grad mit Regen. Eben typisches niederrheinisches Weihnachtswetter. 

Dienstag, 21. Juni 2022

Glad Midsommar! (oder "Julie im Juni")


Der beruhigende Duft von Kamille kitzelt in der Nase und die Kühle des fröhlich daherplätschernden Baches, dem Hoerstgener Kendel, nimmt dem fast schon zu heißen Sommertag die Hitze. Das muntere Zwitschern der Vögel wird von der schweren Sommerluft getragen und nur vereinzelt dringen glitzernde Sonnenstrahlen durch das üppige Laub der Kopfweiden. Emsig fliegen kleine Wildbienen um uns herum und genießen die Fülle der Kamilleblüten. Unsere hübsche Hündin Julie und ich liegen im hohen Gras und blicken in den türkisfarbenen Sommerhimmel und tatsächlich - für einen Moment ist die Welt da draussen vergessen. Hachz.. das ist ein Tag wie ich ihn gerne mag!


Sonntag, 3. April 2022

Heimatgeschichte(n) - Rittergut Haus Heideck (oder "Die Schnapsbrennerei!")


Der ehemals bedeutsamer Rittersitz wird im Jahre 1301 erstmals als kurkölnisches Lehen urkundlich erwähnt. Der damalige erste Besitzer des kurkölsches Ritterlehen ist Johannes von Moers (gestorben 1431). Um 1480 wird das Rittergut an Dietrich von Eyll belehnt, dessen Zweig der Familie auch das Haus Eyll besitzt. Das Adelsgeschlecht von Eyll bleibt zwei Jahrhunderte im Besitz von Haus Heideck. Im Jahre 1683 erhält Magdalena Sophia Baronin von Mämster zu Surenberg (wahrscheinlich Magdalena Sophia von Raesfeld, Tochter von Hendrik van Raesfeld, Heer van Ehze, Schulenborch und Margarethe Elisabeth van Eyll, 1657-1704) das Rittergut Haus Heideck als Lehen. 1696 geht das Rittergut an Edmund Freiherr von Leerodt über und so bleibt das Haus Heideck ein Jahrhundert lang im Besitz der Familie von Leerodt. Doch dann kommt die Wende für das alte Rittergut, denn im Jahr 1875 erwirbt es die Familie Struken, die bis heute das Anwesen landwirtschaftlich nutzt, und installiert im linken Gebäudeteil eine Schnapsbrennerei. Weit über die Grenzen unserer Region hinaus wird die Marke "Rittergut Haus Heideck" bekannt, denn um den Absatz zu steigern nimmt die Distelle an mehreren Ausstellungen in der ganzen Welt teil. So gewinnt der damals bekannte Doppelkorn "Reichsperlen" u.a. eine Goldmedaile in Kairo oder geht im Jahre 1885 auf einer Wanderausstellung in Köln als Champion hervor. Im Jahr 1948 wird die Schnapsbrennerei still gelegt.

Übrigens: Die komplette Brennerei-Anlage, um 1880 erstellt, ist noch heute im Originalzustand erhalten. Schon von weitem kann man den hohen alten Ziegel-Schornstein erkennen, doch ist aus Sicherheitsgründen eine Besichtigung leider nicht möglich. Auch der wuchtige, viereckige Wachtturm neben dem Wohngebäude ist noch gut erhalten, was man vom restlichen Hof augenscheinlich nicht sagen kann. Die Wallgräben rund um das Rittergut, einstmals neun bis zwölf Meter breit und 1,80 Meter tief, sind teilweise verlandet, doch versorgt die Heidecker Ley den alten Graben noch an einigen Stellen mit Wasser.



Verlinkt: "Unser Jahresprojekt" von Andrea, *Natur-Donnerstag* von Elke, "Niwobo sucht..." von Nicole